Die Mitglieder der Parteien in Deutschland

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Große Organisationen haben in der zunehmend individualistisch geprägten Welt von heute einen schweren Stand. Das gilt für die Kirchen wie für die Gewerkschaften und auch für die politischen Parteien. In den Jahren seit der deutschen Einigung verloren die großen Parteien in Deutschland nicht nur an Wählerzustimmung, sie mussten darüber hinaus zum Teil massive Mitgliederverluste hinnehmen: Sei es durch Austritte, die nicht durch Neueintritte aufgewogen wurden, oder durch Sterbefälle, die bei einer alterslastigen Mitgliederstruktur stark ins Gewicht fallen können.

Der Politologe Oskar Niedermayer, Professor an der FU Berlin, dokumentiert diesen Prozess schon über lange Jahre. Nach den von ihm zusammengetragenen Daten schrumpfte die Mitgliederzahl der SPD zwischen 1990 und 2016 um mehr als die Hälfte – von 943400 auf 432710. Bei der CDU waren die Verluste nicht ganz so einschneidend, aber auch sie büßte in diesem Zeitraum mehr als zwei Fünftel ihrer Mitglieder ein – statt 789610 (1990) waren es 2016 nur noch 431920. 2008 überholte sie die SPD zum ersten Mal als mitgliederstärkste Partei der Bundesrepublik; 2016 lag die SPD jedoch wieder knapp vorn.

Die ehemalige PDS verzeichnete in den 1990er Jahren einen dramatischen Aderlass, durch den ihr 70 % der ursprünglich 280880 Mitglieder abhandenkamen. Im Zuge der Fusion mit der westdeutschen WASG gewann sie 2007-2009 – unter dem neuen Parteinamen Die LINKE – fast 18000 Mitglieder hinzu. Ende 2016 hatte sie noch 58910 Mitglieder in ihrer Kartei. Ähnlich wie die CDU konnte die FDP in Ostdeutschland zunächst aus dem Erbe einer ehemaligen Blockpartei Mitglieder hinzugewinnen, die ihr aber bald in großer Zahl wieder den Rücken kehrten. Deutliche Mitgliederverluste erlitt sie dann wieder als Regierungspartei ab 2010. Ende 2016 hatte sie 53900 Mitglieder, zwei Drittel weniger als 1990.

Vergleichweise stabil hielt sich die CSU, deren Mitgliederzahl 2016 mit 142410 um „nur“ ein Viertel niedriger lag als 1990. Zugewinne verzeichneten dagegen die GRÜNEN, die ihre Mitgliederzahl, mit Schwankungen, von 41320 (1990) auf 61600 (2016) steigerten (+ 49 %). Sie entsprechen am wenigsten dem Modell der Mitgliederpartei, wie es sich Ende des 19. Jh. in der sozialistischen Arbeiterbewegung herausbildete. Für die anderen gilt, dass sich der für die Mitgliederpartei charakteristische Zusammenhang zwischen sozialem Milieu, politisch-ideologischer Wertorientierung und organisatorischer Einbindung der Menschen mehr und mehr auflöst. Die AfD gab Ende 2016 einen Mitgliederstand von 26410 an, nachdem sie im Vorjahr nach dem Bruch mit dem Parteigründer Lucke noch deutliche Verluste erlitten hatte.

Seitenanzahl: 1
Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 10/2017
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