Arbeitskämpfe in Deutschland

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Arbeitskämpfe in Deutschland

Nimmt man die Häufigkeit von Streiks und Aussperrungen als Maßstab, erscheint Deutschland als ein Land, in dem Arbeitskonflikte sich im Allgemeinen nicht so scharf zuspitzen und rascher beigelegt werden können als in anderen Ländern. Das ist nicht zuletzt auf die starke Verrechtlichung der Arbeitsbeziehungen und das Vorhandensein wirksamer Konfliktregelungsmechanismen zurückzuführen. In der Regel gelingt es Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden, auf dem Verhandlungsweg einen sozialen Interessenausgleich zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern zu finden. Erst wenn Verhandlungen und anschließende Schlichtungsverfahren scheitern, können die Arbeitnehmer darüber entscheiden, ob sie durch kollektive Arbeitsniederlegung weiter Druck machen wollen. Während des Streiks besteht das Arbeitsverhältnis fort. Die Arbeitgeber dürfen Streikende nicht fristlos entlassen, können aber ihrerseits vom Kampfmittel der Aussperrung Gebrauch machen, um die Auseinandersetzung zu ihren Gunsten zu entscheiden. Jeder Arbeitskampf muss sich auf ein tarifpolitisches Ziel richten. Streik oder Aussperrung während der Laufzeit tariflicher Vereinbarungen stellen einen Verstoß gegen die Friedenspflicht beider Vertragsparteien dar.

In der früheren Bundesrepublik erreichten die Arbeitskämpfe ihre größte Intensität 1984 mit 5,6 Mio ausgefallenen Arbeitstagen und 537000 betroffenen Arbeitnehmern. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen stand die gewerkschaftliche Forderung nach der 35-Stunden-Woche. In den großen Streiks des Jahres 1992, nach der deutschen Einigung, ging es in erster Linie um höhere Löhne und Gehälter. In der Folge sahen sich die Gewerkschaften durch die beschleunigte Rationalisierung und Umstrukturierung der Unternehmen und der öffentlichen Verwaltung aber zunehmend in die Defensive gedrängt. Erst ab 2002 verstärkte sich die Arbeitskampfintensität wieder. Wenn nun gestreikt wurde, setzten sich die Arbeitnehmer häufig gegen Betriebsschließungen, Arbeitsplatzverlagerungen und verschlechterte Arbeitsbedingungen zur Wehr. Große Flächenstreiks fanden seltener statt; dagegen wurde in einer zunehmend zersplitterten Tariflandschaft öfter um Firmentarife gestritten. Zudem verlagerte sich das Streikgeschehen mehr und mehr in den Bereich der öffentlichen und privaten Dienstleistungen.

Die offizielle Streikstatistik der Bundesagentur für Arbeit beruht auf Angaben der Arbeitgeber. Alternative Berechnungen des gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) kommen zu viel höheren Zahlen, was Streikbeteiligung und -umfang angeht. So registrierte die BA im Jahr 2014 rund 155000 Ausfalltage, laut WSI gingen jedoch 392000 Tage durch Arbeitskämpfe verloren.

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Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 06/2015
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