Betreuungsgeld

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Infografik Nr. 141215

Betreuungsgeld

Durch das Betreuungsgeld wird der Katalog familienpolitischer Transferleistungen in Deutschland ab 1. August 2013 um ein weiteres Element ergänzt. Seine Einführun ...

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Betreuungsgeld

Durch das Betreuungsgeld wird der Katalog familienpolitischer Transferleistungen in Deutschland ab 1. August 2013 um ein weiteres Element ergänzt. Seine Einführung war zwischen Regierung und Opposition, Bund und Ländern, aber auch innerhalb der christlich-liberalen Koalition heftig umstritten.

Anspruch auf Betreuungsgeld haben Eltern, die ihr Kind bis zum dritten Geburtstag selbst betreuen und erziehen und so lange auf eine öffentlich geförderte Betreuung in einer Krippe oder bei Tageseltern verzichten. Das Betreuungsgeld schließt gegebenenfalls an den Bezug des Elterngeldes an und wird vom 15. Lebensmonat des Kindes an für 22 Lebensmonate – das heißt bis zum Ende des dritten Lebensjahrs – gezahlt. Läuft das Elterngeld schon früher aus, kann das Betreuungsgeld ausnahmsweise auch schon vor dem 15. Lebensmonat gewährt werden. Das Betreuungsgeld beläuft sich anfangs auf 100 Euro je Monat und steigt ab August 2014 auf 150 Euro je Monat. Es kommt für Kinder in Betracht, die ab 1. August 2012 geboren wurden.

Betreuungsgeld kann parallel zur Elternzeit bezogen werden, für die sich die Eltern des Kindes als Arbeitnehmer bis zum dritten Geburtstag des Kindes beurlauben lassen können. Anders als beim Elterngeld ist es nicht erforderlich, dass ein Elternteil auf volle Erwerbstätigkeit verzichtet. Es bleibt den Eltern also die Möglichkeit, das Kind auch durch Familienangehörige, durch Freunde oder Kindermädchen oder in privat finanzierten Einrichtungen betreuen zu lassen, während sie selbst ihrem Beruf nachgehen.

Die Gegner des Betreuungsgelds halten es für wahrscheinlich, dass diese Leistung vor allem von Familien in Anspruch genommen wird, in denen der Mann das Geld verdient, während die Frau sich um Haushalt und Kindererziehung kümmert. Sie befürchten, dass damit ein überholtes Familienbild konserviert wird (und haben die abschätzige Bezeichnung „Herdprämie“ dafür geprägt) und die Frauen von eigener Berufstätigkeit abgehalten werden. Die Befürworter betonen demgegenüber, das Betreuungsgeld der Familien erweitere die Wahlfreiheit der Familien, wie und wo sie ihr Kleinkind betreuen lassen. Tatsache ist, dass die Familienpolitik in dieser Frage zweigleisig verfährt: Sie investiert einerseits in den Ausbau von Kinderkrippen und räumt ab August 2013 allen Kindern nach dem ersten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf frühkindliche Förderung ein, unterläuft die damit verknüpften Ziele aber, indem sie die Nichtinanspruchnahme der dafür vorgesehenen öffentlichen Einrichtungen mit dem Betreuungsgeld belohnt.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
color: Komplette Online-Ausgabe als PDF-Datei.
eps: eps-Version
Ausgabe: 06/2013
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