Jugendgewalt

Jugendgewalt

Infografik Nr. 131123

Laut der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) war die jugendliche Gewaltkriminalität ab 2008 über einige Jahre hinweg sogar rückläufig. Seit 2016 jedoch ist bei den Jugendlichen ein neuerlicher Anstieg von Körperverletzungsdelikten und Raub zu beobachten. Einen Anteil daran hat die ab 2015 gestiegene Zuwanderung, was sich insbesondere daraus erklärt, dass unter den Zuwanderen überproportional viele männliche Jugendliche und Heranwachsende sind. Aber auch die höhere Sensibilisierung der Gesellschaft gegenüber Gewalt hat nach Ansicht von Experten zu höheren Fallzahlen beigetragen.

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Die Medienberichterstattung über jugendliche Gewalttäter vermittelt den Eindruck, dass Jugendgewalt an Umfang und Brutalität stark zugenommen hat. Doch laut der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) war die jugendliche Gewaltkriminalität ab 2008 über einige Jahre hinweg sogar rückläufig. Seit 2016 jedoch ist bei den Jugendlichen ein neuerlicher Anstieg von Körperverletzungsdelikten und Raub zu beobachten.  Einen Anteil daran hat die ab 2015 gestiegene Zuwanderung, was sich insbesondere daraus erklärt, dass unter den Zuwanderen überproportional viele männliche Jugendliche und Heranwachsende sind — eine Geschlechts- und Altersgruppe, die auch unter Deutschen deutlich öfter mit Gewaltdelikten auffällt. Aber auch die höhere Sensibilisierung der Gesellschaft gegenüber Gewalt hat nach Ansicht von Experten zu höheren Fallzahlen beigetragen, weil nämlich die Anzeigebereitschaft gestiegen sei. So werden der Polizei mehr Fälle bekannt, die früher im statistischen Dunkelfeld verblieben wären. Allerdings: Anders als bei den Jugendlichen war bei den Heranwachsenden, die unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls unter das Jugendstrafrecht fallen, in den letzten Jahren ein Rückgang von Gewaltdelikten zu verzeichnen. 

Messen lassen sich solche Zusammenhänge anhand der sogenannten Tatverdächtigenbelastungszahl (TVBZ); sie rechnet die Zahl der Tatverdächtigen auf je 100 000 Einwohner derselben Altersgruppe um. Bei den Heranwachsenden (18- bis 20-Jährige) lag die TVBZ für Gewaltkriminalität auch 2019 mit 867 fast fünfmal so hoch wie bei den Erwachsenen (178). Ähnlich sah es bei den Jugendlichen (14- bis 17-Jährige) aus: Ihre TVBZ für Gewaltdelikte (772) übertraf die der Erwachsenen um mehr als das Dreifache. Dass im Jugendalter häufiger gegen Regeln und Normen verstoßen wird, ist über fast alle Kulturen und Zeiten hinweg beobachtbar. In der Regel ist dieses Phänomen aber vorübergehender Natur: Mit zunehmendem Alter und infolge eines allgemeinen psychosozialen Reifeprozesses nimmt die Zahl der Straftaten ab (sogenannte Alters-Kriminalitäts-Kurve). Zudem entfällt ein Großteil der Jugendkriminalität auf Delikte von eher geringer Schwere, darunter leichte Körperverletzung, Ladendiebstahl oder Sachbeschädigung.

Zur Bekämpfung von Jugendgewalt werden häufig härtere Strafen gefordert, die im Kern auf Abschreckung setzen (wie z.B. der 2013 eingeführte „Warnschussarrest“). Deren Wirkung ist aber umstritten. Maßnahmen zur Prävention setzen früher an und umfassen u.a. die Verbesserung von Bildungschancen, die Stärkung erzieherischer Kompetenzen von Eltern oder eine kritische Auseinandersetzung mit gewaltorientierten Männlichkeitsnormen („Machokultur“).    

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 05/2020
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