Die deutsche Zahlungsbilanz

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Infografik Nr. 394014

Die deutsche Zahlungsbilanz

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Die deutsche Zahlungsbilanz

Die Zahlungsbilanz einer Volkswirtschaft registriert alle wirtschaftlichen Transaktionen (d.h. den Austausch von Gütern, Dienstleistungen und finanziellen Ansprüchen), die innerhalb eines Jahres zwischen In- und Ausland stattfinden. Grundsätzlich ist zwischen dem Leistungs- und dem Zahlungsverkehr mit dem Ausland zu unterscheiden. Die Leistungsbilanz als Teil der Zahlungsbilanz erfasst alle Bezüge und Lieferungen im grenzüberschreitenden Warenhandel und Dienstleistungsverkehr, die über die Grenzen zu- oder abfließenden Erwerbs- und Vermögenseinkommen (Gewinne, Löhne, Zinsen usw.) und die laufenden Übertragungen („einseitigen“ Leistungen) zwischen In- und Ausland (z.B. Beiträge an die EU oder an internationale Organisationen). Als besonderer Posten neben der Leistungsbilanz werden die „einmaligen“ Vermögensübertragungen wie Schuldenerlasse, Erbschaften oder bestimmte Investitionszuschüsse verbucht.

Der Kapitalverkehr mit dem Ausland – die Aufnahme oder Gewährung von Krediten, die Wertpapiergeschäfte und der Erwerb von Eigentumsrechten an Unternehmen und Grundstücken – schlägt sich in der Kapitalbilanz nieder. Finanziellen Charakter hat auch die Zu- oder Abnahme der Währungsreserven im Bestand der Bundesbank. Definitionsgemäß halten sich beide Seiten der Zahlungsbilanz – die Ergebnisse des Leistungs- und des Kapitalverkehrs – die Waage. In der Praxis bestehen aber stets einige statistische Differenzen, die sich im so genannten Restposten der Zahlungsbilanz niederschlagen.

In den 1980er Jahren hatte die Bundesrepublik regelmäßig hohe Leistungsbilanzüberschüsse erzielt. Mit der deutschen Einigung veränderte sich ihre außenwirtschaftliche Position fast auf einen Schlag, so dass die Leistungsbilanz 1991 tief ins Minus rutschte. Dieser Umschwung war letztlich damit zu erklären, dass die deutsche Volkswirtschaft in erheblichem Umfang auf ausländische Ressourcen zurückgreifen musste, um den Aufbau in Ostdeutschland zu bewältigen. Erst 2002 verzeichnete die Leistungsbilanz wieder ein Plus, das sich in den folgenden Jahren rasch ausweitete. 2007 erreichte der Leistungsbilanzüberschuss einen Wert von 170 Mrd €, ehe er sich 2009 unter dem Einfluss der globalen Wirtschaftskrise auf 141 Mrd € verringerte. Dafür ausschlaggebend war der scharfe Rückgang der Exporte. Diese nahmen in den Folgejahren wieder kräftig zu. Der steile Anstieg 2015 war vor allem auf die kurzfristige Wirkung niedriger Rohölpreise und der Euro-Abwertung zurückzuführen. Zudem wurde deutlich mehr in die USA und in europäische Länder außerhalb des Eurosystems exportiert, wodurch die zuletzt sinkenden Exporte in Schwellenländer überkompensiert wurden. So schloss die Leistungsbilanz mit einem Überschuss von rund 256 Mrd €.

Diesem Überschuss stand ein Netto-Kapitalexport von nahezu 226 Mrd € gegenüber. Ein Großteil des Kapitalabflusses ist darauf zurückzuführen, dass sich ausländische Anleger von deutschen Wertpapieren trennten, die infolge der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank keine ausreichende Rendite mehr versprachen. Zum Kapitalexport trugen aber auch die stark ausgeweiteten Direktinvestitionen deutscher Unternehmen im Ausland bei.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 10/2018
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