Tödliche Polizeieinsätze

Tödliche Polizeieinsätze

Infografik Nr. 603282

Dass US-Polizisten schneller zur Schusswaffe greifen, hat auch mit der Polizeiausbildung zu tun. Während die Vorbereitung auf den Polizeidienst in Deutschland drei Jahre dauert, sind es in den USA im Schnitt nur 19 Wochen. Psychologische Schulung und Deeskalationsstrategien spielen dabei kaum eine Rolle, der Fokus liegt auf dem Schießtraining

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Nicht erst seit der Afroamerikaner George Floyd von einem Polizisten getötet wurde, steht die Brutalität der Polizei in den USA am Pranger. Immer wieder kommt es zu polizeilichen Übergriffen, die durch die allgegenwärtigen Smartphones dokumentiert werden und in emotionalisierenden Bildern an die Öffentlichkeit gelangen. Proteste – teils mit gewaltsamen Krawallen verbunden – sind eine häufige Folge. Schon 1992 führte der Freispruch von vier Polizisten, die den Schwarzen Rodney King vor laufender Kamera brutal verprügelt hatten, zu Gewaltausbrüchen in Los Angeles, in deren Verlauf mehr als 50 Menschen ums Leben kamen. Und weil die Opfer von Polizeigewalt überdurchschnittlich häufig Schwarze sind, entstand 2013 in Anlehnung an einen Hashtag in den Sozialen Medien die Bewegung „Black Lives Matter“, die sich dem Kampf gegen rassistische Polizeigewalt verschrieben hat.

Tatsächlich liegt die Zahl der von Polizisten getöteten Menschen in den USA um ein Vielfaches höher als in allen anderen westlichen Industriestaaten. 2019 kamen nach Recherchen von Mapping Police Violence 1 098 Menschen durch Polizisten ums Leben, die allermeisten davon (1 054) durch Schusswaffen. Zum Vergleich: Im selben Jahr wurden in Deutschland 14 Menschen von Polizisten erschossen, in Frankreich 8, in England und Wales 3. Diese enorme Diskrepanz verschwindet auch nicht, wenn man die größere Bevölkerung der USA in Rechnung stellt: Von 10 Mio Einwohnern wurden in den USA statistisch gesehen 31,9 Menschen durch polizeiliche Schüsse getötet und damit fast 19-mal so viele wie in Deutschland (1,7). Unter den Getöteten in den USA waren 24 % Schwarze, obwohl sie nur 13 % der Bevölkerung stellen. Schwarze hatten damit ein dreimal höheres Risiko, von der Polizei getötet zu werden, als Weiße.

Dass US-Polizisten schneller zur Schusswaffe greifen, hat auch mit der Polizeiausbildung zu tun. Während die Vorbereitung auf den Polizeidienst in Deutschland drei Jahre dauert, sind es in den USA im Schnitt nur 19 Wochen. Psychologische Schulung und Deeskalationsstrategien spielen dabei kaum eine Rolle, der Fokus liegt auf dem Schießtraining. Das hängt auch mit der Waffenkultur in den USA zusammen, denn ein Polizist muss dort viel eher damit rechnen, dass sein Gegenüber eine Schusswaffe bei sich trägt und möglicherweise einsetzt. Auch deshalb dürfen Polizisten in den USA schon schießen, wenn sie es für erforderlich halten, nicht erst als allerletztes Mittel, wie in Deutschland. Auch bei anderen Methoden polizeilicher Gewalt (wie das Knien auf dem Hals, was bei George Floyd zum Tod führte) haben US-Polizisten mehr Freiraum – in Deutschland sind solche Techniken grundsätzlich verboten.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 07/2020
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