Nachbarstaaten

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Nachbarstaaten

Das aus der europäischen Geschichte hervorgegangene Prinzip des Nationalstaats hat sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts weltweit als Grundmuster politischer Organisation durchgesetzt. Nachdem die früheren Kolonialgebiete mit der Übernahme dieses Prinzips in die Unabhängigkeit eintraten, gab es weltweit kaum noch ein Territorium, das sich nicht als Staat definierte. Auch die seit der Mitte des Jahrhunderts entstandenen internationalen Organisationen stützen sich auf die Mitgliedschaft einzelner, souveräner Staaten. Ein Sonderfall ist die EU, in der die Mitgliedstaaten zugunsten der gemeinsamen supranationalen Ebene auf bestimmte einzelstaatliche Rechte verzichten.

Die Beziehungen zwischen den Staaten haben sich zur Gegenwart hin tendenziell in Richtung auf friedlichen Wettbewerb und engere Kooperation entwickelt. Der Aufstieg der Nationalstaaten im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert war häufig begleitet von einer ideologisch aufgeladenen Konkurrenz, vom Kampf um politische, ökonomische und kulturelle Vorherrschaft, um Kolonien, Bodenschätze, Anbauflächen, Menschen, um „Lebensraum“, Einflusszonen usw. Zwei Weltkriege und der atomwaffenstarrende Kalte Krieg haben der Welt seitdem die Gefahr eines übersteigerten nationalstaatlichen Konkurrenz- und Machtdenkens vor Augen geführt. Aber auch heute noch wirken die Grenzen zwischen den Staaten oft genug als Reibungsflächen, an denen sich offene Konflikte entzünden. So z.B. in Afrika und im Nahen Osten, wo die von den früheren Kolonialmächten gezogenen Grenzen teils bis heute umstritten sind. Das Gegenbeispiel dazu liefert Europa mit seiner relativ kleinräumigen Staatenwelt, wo die Begegnung über die Grenzen hinweg inzwischen als Chance und positive Herausforderung begriffen wird.

Das politische Klima in einer Weltregion wird entscheidend dadurch mitbestimmt, wie die Staaten in zentraler Mittellage mit ihren Nachbarn umgehen. Deutschland, in Europa der Staat mit den meisten Grenznachbarn, liefert das Beispiel zum Guten wie zum Schlechten: Einst als Herd der Aggression, jetzt zumeist als Pol des Ausgleichs und der Verständigung. Nach dem Ende der europäischen Spaltung nimmt Deutschland auch eine wichtige Brückenfunktion gegenüber dem Osten Europas wahr. Russland und China, Staaten von fast kontinentaler Ausdehnung, haben weltweit die meisten Nachbarn: Sie teilen ihre Landgrenzen mit jeweils 14 anderen Staaten. Ein dichtes staatliches Nebeneinander weisen außerhalb Europas besonders Afrika und der Nahe Osten auf. Der Zerfall von Staaten (wie im Beispiel Somalias) ist eine Erscheinung der jüngeren Zeit; im Inneren geschwächt und von Machtkämpfen zerrissen, werden sie auch nach außen hin zur Gefahr.

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Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
color: Komplette Online-Ausgabe als PDF-Datei.
s/w-Version: Komplette Online-Ausgabe als PDF-Datei.
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Ausgabe: 06/2015
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