Die Bündnispolitik Bismarcks

Die Bündnispolitik Bismarcks

Infografik Nr. 701754

Die Bündnispolitik Bismarcks

Auf dem Wiener Kongress (1815) hatten die europäischen Fürsten eine Staatenordnung errichtet, die auf dem Prinzip des Machtgleichgewichts basierte: ...

Verfügbare Produktformate:

Die Bündnispolitik Bismarcks Auf dem Wiener Kongress (1815) hatten die europäischen Fürsten... mehr
Mehr Details zu "Die Bündnispolitik Bismarcks"

Die Bündnispolitik Bismarcks

Auf dem Wiener Kongress (1815) hatten die europäischen Fürsten eine Staatenordnung errichtet, die auf dem Prinzip des Machtgleichgewichts basierte: Die sogenannte „Pentarchie“ der fünf Großmächte Großbritannien, Frankreich, Preußen, Österreich-Ungarn und Russland war darauf angelegt, dass Hegemonialbestrebungen einer dieser Mächte zu einer Gegenkoalition der übrigen Staaten führen würde. Mit der Gründung des Deutschen Reiches im Jahr 1871 geriet dieses Machtgleichgewicht aus den Fugen. In der Mitte Europas war ein wirtschaftliches und militärisches Machtzentrum entstanden, das als potenzielle Bedrohung wahrgenommen wurde. Die Einigung Deutschlands in drei Kriegen hatte vor allem die Feindschaft Frankreichs zur Folge, das nach der deutschen Annexion Elsass-Lothringens auf Revanche sann. Reichskanzler Otto von Bismarck suchte daher die Absicherung des jungen Staates durch Bündnisse mit allen europäischen Großmächten – außer Frankreich, das bündnispolitisch isoliert werden sollte.

Die Schwierigkeiten einer solchen Politik zeigten sich schon im Drei-Kaiser-Abkommen von 1873 (ab 1881: Drei-Kaiser-Vertrag) zwischen dem Deutschen Reich, Österreich-Ungarn und Russland. Russland und Österreich-Ungarn standen nämlich in konfliktreicher Rivalität um die Erbmasse des Osmanischen Reiches auf dem Balkan. Der mit Österreich-Ungarn geschlossene Zweibund (1879), dem sich Rumänien 1882 anschloss, musste daher ebenso geheim gehalten werden wie seine spätere Erweiterung um Italien zum Dreibund (1882). Schon bald führte die österreichisch-russische Rivalität im Zuge der Bulgarienkrise (1885-87) zur Aufkündigung des Drei-Kaiser-Vertrags durch Russland. Als Ersatz schloss Bismarck 1887 mit Russland den Rückversicherungsvertrag, in dem sich beide Staaten gegenseitige Neutralität im Falle eines Krieges mit Drittmächten zusicherten; ausgenommen blieben allerdings ein Angriff Russlands auf Österreich-Ungarn und ein Angriff Deutschlands auf Frankreich. Auch dieser Vertrag blieb geheim, weil er nicht nur gegen den Zweibund, sondern auch gegen das kurz zuvor von Deutschland vermittelte (ebenfalls geheime) Mittelmeerabkommen verstieß. Mit diesem Abkommen, das zur Eindämmung der russischen Bestrebungen im Mittelmeer diente, hatte Bismarck eine Annäherung an Großbritannien gesucht.

Voraussetzung für diese Bündnispolitik war der Verzicht Berlins auf weitere machtpolitische Ambitionen („Saturiertheit“), damit es als „ehrlicher Makler“ eine Vermittlerrolle in europäischen Konflikten einnehmen konnte. Eine imperialistische Expansionspolitik, wie sie alle anderen europäischen Großmächte betrieben, erschien Bismarck für das Deutsche Reich zu riskant. Das sollte sich unter Wilhelm II. ändern.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
color: Komplette Online-Ausgabe als PDF-Datei.
eps: eps-Version
Ausgabe: 06/2104
Zuletzt angesehen