Europäische Bündnisse v.d. 1.WK

Europäische Bündnisse v.d. 1.WK

Infografik Nr. 701755

Europäische Bündnisse vor dem Ersten Weltkrieg

Der Staatsgründer und erste Reichskanzler Otto von Bismarck (1871-1890) hatte auf eine expansive Außenpolitik verzichtet und versu ...

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Europäische Bündnisse vor dem Ersten Weltkrieg

Der Staatsgründer und erste Reichskanzler Otto von Bismarck (1871-1890) hatte auf eine expansive Außenpolitik verzichtet und versucht, das Deutsche Reich in einem komplexen System aus Bündnissen mit allen europäischen Großmächten außer Frankreich abzusichern. Unter Wilhelm II. begann ab 1888 jedoch ein zunehmend aggressiver Kurs der deutschen Außenpolitik: Im globalen Wettlauf der europäischen Großmächte um Kolonien und wirtschaftliche Einflusszonen wollte der deutsche Kaiser nachziehen und beanspruchte auch für Deutschland einen „Platz an der Sonne“. Die Aufnahme einer imperialistischen Außenpolitik musste aber unweigerlich den Widerstand der übrigen Großmächte hervorrufen. Im Ergebnis führte sie zum Zusammenbruch des Bismarckschen Bündnissystems und zur Isolation Deutschlands.

Die Entfremdung von Russland begann bereits unter Bismarck mit dessen Vermittlung zu Russlands Nachteil in der Orientkrise 1878 und der Erhebung von Schutzzöllen auf Agrarprodukte ab 1879. Ein Stellverteterkrieg Russlands und Österreich-Ungarns auf dem Balkan (Bulgarien/Serbien) führte 1887 zur russischen Aufkündigung des Drei-Kaiser-Vertrags. Nach dem Verbot russischer Werte auf dem Berliner Finanzmarkt wich Russland 1888 auf französische Staatsanleihen aus (sog. „Revancheanleihe“). Der Weg für ein russisches Bündnis mit Deutschlands „Erbfeind“ Frankreich wurde nach Bismarcks Entlassung frei, als Deutschland 1890 den Rückversicherungsvertrag trotz russischem Drängen nicht verlängerte. Mit dem russisch-französischen Zweibund (1894) endete die seit 1870 bestehende Isolation Frankreichs.

Die Bismarcksche Bündnisarchitektur brach vollständig zusammen, als Deutschland nach Russland auch Großbritannien verprellte. Als Reaktion auf die „Krüger-Depesche“ (1896), in der Wilhelm II. dem südafrikanischen Burenpräsidenten Krüger zur Abwehr eines britischen Überfalls gratulierte, ließ Großbritannien das Mittelmeerabkommen von 1887 auslaufen. Zur Konfrontation mit Großbritannien kam es aber vor allem infolge des Aufbaus einer deutschen Schlachtflotte ab 1898, der einen deutsch-britischen Flottenrüstungswettlauf auslöste. Durch den „informellen Imperialismus“ Deutschlands im Osmanischen Reich (Bagdad-Bahn) sah Großbritannien zudem seine Interessen im Nahen Osten bedroht. Eine Reihe kolonialpolitischer Einigungen Großbritanniens mit Frankreich (u.a. über Ägypten und Marokko) ebnete den Weg für die britisch-französische Entente cordiale (1904). Dieses Bündnis wurde nach einer Verständigung zwischen Großbritannien und Russland über Afghanistan und Persien zur Triple Entente (1907) ausgeweitet und vollendete damit die bündnispolitische Einkreisung Deutschlands.

Reihe: 53
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Ausgabe: 06/2014
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