Nicht-Regierungsorganisationen

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Infografik Nr. 616151

Nicht-Regierungsorganisationen

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Nicht-Regierungsorganisationen

Im Zuge der Globalisierung wurden Nicht-Regierungsorganisationen zu wichtigen Akteuren der internationalen Politik. Ihre Anfänge reichen ins 19. Jahrhundert zurück, doch wurde der Begriff „Non-Governmental Organization“ (NGO) erst im 20. Jahrhundert geprägt. Er bezeichnet zivilgesellschaftliche Organisationen, die weder von Regierungen abhängig noch profitorientiert sind, sondern dem „Dritten Sektor“ zwischen Staat und Markt zugehören. Über die genauere Definition des Begriffs besteht indes Uneinigkeit. Nach dem Kriterienkatalog der Union of International Associations (UIA) müssen internationale NGOs u.a. auf private Initiative gegründet sein, unabhängig operieren, in mindestens drei Staaten tätig sein und über gewählte Leitungsgremien sowie einen Hauptsitz und einen festen Mitarbeiterstab verfügen. Mit dieser Definition kommt die UIA für 2012 auf rund 8580 NGOs. Nimmt man auch NGOs auf lokaler, regionaler oder nationaler Ebene hinzu, dürfte sich ihre Zahl beinahe verdreifachen. Es bleibt aber strittig, ob der Begriff NGO nur gemeinwohlorientierte Organisationen oder auch klassische Lobbygruppen wie Wirtschafts- und Berufsverbände, Gewerkschaften usw. umfasst.

Die zunehmende Verbreitung von NGOs liegt in den veränderten weltpolitischen Bedingungen nach 1945 und vor allem seit dem Ende des Ost-West-Konfliktes begründet: Soziale, ökologische und entwicklungspolitische Fragen werden zunehmend als globale Probleme begriffen, die sich der nationalstaatlichen Steuerung entziehen und nur durch internationale Kooperation gelöst werden können. Die wachsende Rolle von NGOs spiegelt sich in ihrer massiven Präsenz auf den UN-Weltkonferenzen seit den 1990er Jahren. Über Lobbyarbeit, Teilnahme an Verhandlungen und Bereitstellung von Expertenwissen nehmen NGOs Einfluss auf politische Entscheidungsprozesse. Eine weitere Funktion liegt in der Herstellung von „Weltöffentlichkeit“ durch konzertierte Medienaktionen oder die Organisation von Großdemonstrationen.

Große NGOs sind mit dem UN-System vernetzt. Artikel 71 der UN-Charta schafft die Grundlage für die beratende Beteiligung von Nicht-Regierungsorganisationen im Rahmen des Wirtschafts- und Sozialrats der Vereinten Nationen (ECOSOC). Die ECOSOC-Resolution 1996/96 regelt die Vergabe abgestufter Teilnahmerechte, je nach Bedeutung der Organisation. 2014 hatte ECOSOC insgesamt 4045 NGOs einen Beratungsstatus zuerkannt. Davon verfügten 142 über den allgemeinen Status für übergreifende Kompetenz in fast allen Arbeitsfeldern des Wirtschafts- und Sozialrats (darunter Greenpeace, Caritas, Médecins sans frontières, Gewerkschafts-Weltverbände und die Internationale Handelskammer).

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
color: Komplette Online-Ausgabe als PDF-Datei.
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Ausgabe: 05/2015
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