Mangel an sanitärer Versorgung

Mangel an sanitärer Versorgung

Infografik Nr. 660545

Mangel an sanitärer Versorgung

Die von der Staatengemeinschaft im Jahr 2000 beschlossenen Millenniumsziele folgten einem neuen Ansatz in der Entwicklungspolitik: Unter Beteiligung alle ...

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Mangel an sanitärer Versorgung

Die von der Staatengemeinschaft im Jahr 2000 beschlossenen Millenniumsziele folgten einem neuen Ansatz in der Entwicklungspolitik: Unter Beteiligung aller internationalen und nationalen Kräfte sollten in einem überschaubaren Zeitraum – bis 2015 – klar benannte und überprüfbare Veränderungsprozesse in den ärmeren Regionen der Erde und für die gesamte Welt umgesetzt werden. Noch fehlt eine Bilanz der Erfolge und Fehlschläge dieses großen Vorhabens, aber schon geht der Blick darüber hinaus auf die noch zu lösenden Probleme. Millenniumsziel 7 (ökologische Nachhaltigkeit) beinhaltete die konkreten Teilziele, den Anteil der Weltbevölkerung ohne Zugang zu sauberem Wasser und ohne verbesserte sanitäre Versorgung gegenüber dem Stand von 1990 zu halbieren. Im Bereich der Wasserversorgung wurden deutliche Fortschritte erzielt; bei der sanitären Versorgung hinkt die Entwicklung jedoch weit hinter den gesetzten Zielen her.

Nach einer gemeinsamen Bestandsaufnahme von WHO und Unicef aus dem Jahr 2014 hatten 2012 erst 64 % der Weltbevölkerung Zugang zu verbesserten sanitären Einrichtungen (gegenüber 49 % im Jahr 1990). Verbesserte Anlagen zeichnen sich dadurch aus, dass die Ausscheidungen in einer geschlossenen Kanalisation oder Senkgrube aufgefangen werden. Einfache Latrinen, Gruben oder Eimer erfüllen diese hygienische Anforderung nicht. 36 % der Bevölkerung weltweit und 43 % in den Entwicklungsländern müssen auf den gebotenen sanitären Mindeststandard noch immer verzichten. Das heißt: 2,5 Milliarden Menschen erledigen ihren Stuhlgang Tag für Tag unter fragwürdigen hygienischen Bedingungen. Davon benutzen rund 780 Mio eine öffentliche oder gemeinschaftliche Einrichtung, weitere 730 Millionen sind auf offene Latrinen angewiesen.

Die übrigen – etwa eine Milliarde Menschen – verrichten ihre Notdurft im Freien. Das hat ernste Auswirkungen auf den Stand der Gesundheit. Die offene Defäkation begünstigt die Übertragung von Krankheiten durch unmittelbaren Kontakt mit menschlichen Exkrementen, durch die Verseuchung von Gewässern oder durch Insekten. Häufig kommt es zu chronischen Erkrankungen des Magen- und Darmtrakts (Enteropathien), welche die Aufnahme von Nahrungsstoffen verhindern, zu Hirnhautentzündungen oder Durchfallerkrankungen, und in der Folge zu erhöhter Kindersterblichkeit. Die Einrichtung geschlossener Toiletten ist aber nicht allein eine Frage des Geldes oder der Organisation. In Indien, wo allein fast 600 Mio Menschen ihren Kot im Freien ausscheiden, stehen auch kulturelle Vorbehalte einem rascheren Wandel entgegen.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
color: Komplette Online-Ausgabe als PDF-Datei.
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Ausgabe: 01/2015
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