Cradle to Cradle - Eine klimapositive Wirtschaft

Cradle to Cradle - Eine klimapositive Wirtschaft

Infografik Nr. 665065

„Cradle to Cradle“ bedeutet übersetzt „von der Wiege zur Wiege“. Gemeint ist damit eine vollständig geschlossene Kreislaufwirtschaft, in der nichts verloren geht und alle Materialien wiederverwertet werden. Unterschieden wird dabei in eine Biosphäre und eine Technosphäre.

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In unserer industrialisierten Wirtschaft entstehen zahllose Abfallprodukte. Aus den Schloten der Fabriken und den Auspuffen der Automobile werden Schadstoffe in unsere Atemluft und Treibhausgase in die Erdatmosphäre geblasen. Durch den Abrieb von Autoreifen gelangt tonnenweise Mikroplastik in die Umwelt, und tagtäglich lässt der Verpackungsabfall der Haushalte die Müllberge wachsen. Die meisten Ansätze zum Umwelt- und Klimaschutz zielen deshalb darauf ab, Abfälle und Emissionen zu verringern, um dadurch die Schäden zu reduzieren. Einen anderen Ansatz verfolgt das Cradle-to-Cradle-Prinzip, das Ende der 1990er Jahre von dem deutschen Chemiker Michael Braungart und dem amerikanischen Architekten William McDonough entwickelt wurde. Die Idee dahinter ist eine Wirtschaft, die ganz ohne umweltschädlichen Abfall auskommt und dadurch sogar positiv auf Umwelt und Klima einwirkt. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von „Ökoeffektivität“.  

„Cradle to Cradle“ bedeutet übersetzt „von der Wiege zur Wiege“. Gemeint ist damit eine vollständig geschlossene Kreislaufwirtschaft, in der nichts verloren geht und alle Materialien wiederverwertet werden. Unterschieden wird dabei in eine Biosphäre und eine Technosphäre: Produkte, die mit der Biosphäre in Kontakt stehen, müssen vollständig biologisch abbaubar sein. Zum Beispiel Autoreifen: Wenn das Material der Reifen durch Abrieb in die Natur gelangt, muss es dort zur Gänze abgebaut werden können, so dass es als biologischer Nährstoff für Pflanzen dienen kann. Die Pflanzen wiederum liefern den Rohstoff für neue industrielle Produkte, womit der Kreislauf in der Biosphäre geschlossen ist. Analog funktioniert das Prinzip in der Technosphäre: Bei einem Auto zum Beispiel bestehen die Karosserie, das Fahrgestell und die Innenausstattung vorwiegend aus Metalllegierungen und Kunststoffen, die nicht biologisch abbaubar sind. Deshalb müssen diese Stoffe vollständig recycelbar sein, und zwar ohne Qualitätsverlust. Sie dienen dann als „technische Nährstoffe“ zur Produktion neuer Waren, womit der Kreislauf auch in der Technosphäre geschlossen ist. Ergänzt wird das Prinzip durch eine vollständig regenerative Energiewirtschaft.

Der besondere Reiz des Cradle-to-Cradle-Prinzips liegt in der Annahme, dass eine umweltfreundliche Wirtschaft ohne jeglichen Konsum- und Produktionsverzicht möglich ist. In Teilbereichen gab es durchaus schon Erfolge: So hat Braungart, der Erfinder von Cradle to Cradle, bereits kompostierbare T-Shirts, komplett recycelbare Turnschuhe und essbare Sitzbezüge entwickelt. Bezweifelt wird allerdings, ob sich das Prinzip wirklich in hinreichend vielen Bereichen der industriellen Produktion realisieren lässt. 

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 05/2020
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