Bevölkerung mit Migrationshintergrund

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Dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, blieb im politischen Raum lange unausgesprochen. Noch Jahrzehnte nach Beginn der Gastarbeiterzuwanderung ins frühere Bundesgebiet wurde an der Fiktion festgehalten, es handle sich dabei um eine vorübergehende, wieder umkehrbare Erscheinung. Eine auf die Interessen der Bundesrepublik ausgerichtete Einwanderungspolitik unterblieb, wie auch die gesellschaftliche Einbindung der bereits in Deutschland lebenden Migranten vernachlässigt wurde. Erst Ende der 1990er Jahre wurde ein politisches Umdenken erkennbar. Die Reform des Staatsangehörigkeitsrechts (2000) sorgte dafür, dass die in Deutschland geborenen Kinder der zweiten und dritten Zuwanderergeneration mit der Geburt die deutsche Staatsangehörigkeit erwerben, und regelte die Einbürgerung ausländischer Staatsbürger neu. Das 2005 in Kraft getretene Zuwanderungsgesetz vereinfachte das Aufenthaltsrecht für Ausländer und ermöglicht eine stärker bedarfsorientierte Steuerung des Zuzugs. 2007 folgten weitere Änderungen, auch zur Umsetzung von EU-Richtlinien im Aufenthalts- und Asylrecht.

Auf gesellschaftspolitischer Ebene wurden die Probleme der Integration nun zunehmend ernst genommen. Themen wie der Erwerb der deutschen Sprache, Schule und Ausbildung, der Zugang zum Arbeitsmarkt, Gewalt und Kriminalität, soziale Segregation, Religion und kulturelle Identität rückten damit ins Zentrum der öffentlichen Debatte. Doch auf wen zielt diese Debatte? Wer sind die Zuwanderer? Lange Zeit galt das Ausländerzentralregister als wichtigste Auskunftsquelle über die „nichtdeutsche“ Bevölkerung der Bundesrepublik. Um den Integrationsbedarf abschätzen zu können, genügt das Kriterium der Staatsangehörigkeit oder Nationalität aber längst nicht mehr. Im Rahmen des Mikrozensus versuchen die Statistischen Ämter deshalb seit 2005 auch den „Migrationshintergrund“ der Bevölkerung auszuleuchten.

Nach den Ergebnissen des Mikrozensus 2016 sind rund 18,6 Mio Menschen, annähernd ein Viertel (22,5 %) der Bevölkerung Deutschlands, biographisch in den Wanderungsprozessen verankert – sei es dass sie • im Ausland geboren und selbst zugewandert sind (12,7 Mio), • in Deutschland geboren sind, jedoch eine fremde Staatsangehörigkeit besitzen (1,4 Mio Ausländer der 2. oder 3. Generation), oder dass sie • zwar selbst Deutsche und im Inland geboren sind, mindestens ein Elternteil aber zugewandert oder ausländischer Herkunft ist (4,5 Mio). Die 9,0 Mio Ausländer in Deutschland machen knapp die Hälfte der gesamten Bevölkerung mit Migrationshintergrund aus. Ihre Zahl wuchs zuletzt durch die starke Zuwanderung von Ausländern (meist Schutzsuchenden) in den Jahren 2015 und 2016.

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Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 09/2017
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