Reform der Krankenversicherung in den USA

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Reform der Krankenversicherung in den USA

Das amerikanische Gesundheitssystem ist mit jährlichen Kosten von rund 18 % des Bruttoinlandsprodukts das teuerste der Welt, zugleich aber au ...

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Reform der Krankenversicherung in den USA

Das amerikanische Gesundheitssystem ist mit jährlichen Kosten von rund 18 % des Bruttoinlandsprodukts das teuerste der Welt, zugleich aber auch eines der ineffektivsten. Große Teile der Bevölkerung sind unzureichend krankenversichert und haben daher nur eingeschränkt Zugang zu medizinischer Versorgung. 2008 verfügten 46,3 Mio Bürger (mehr als 15 % der Bevölkerung) über keinerlei Krankenversicherung; von den Einwohnern hispanoamerikanischer Herkunft war sogar fast ein Drittel unversichert. Ein von Präsident Obama am 23. März 2010 unterzeichnetes Reformgesetz (Patient Protection and Affordable Care Act) soll nun schrittweise zu einem umfassenden Krankenversicherungsschutz führen. 95 % der amerikanischen Bürger sollen zukünftig krankenversichert sein.

Anders als in den europäischen Staaten mit ausgebauter Sozialversicherung ist die Krankenversicherung in den USA privatwirtschaftlich ausgerichtet. 2008 waren zwei Drittel (67 %) der Bevölkerung privat versichert, unter ihnen 59 %, deren Versicherungsschutz an den Arbeitsplatz gekoppelt war und somit endete, wenn der Job verloren ging. Ergänzend zur Privatversicherung greift der Staat mit Hilfsprogrammen ein, wenn Patienten keinen oder keinen ausreichenden Versicherungsschutz haben. Diese staatlichen Programme – als wichtigste darunter Medicare für Senioren und Behinderte und Medicaid für Menschen mit geringem Einkommen – deckten 2008 zusammen rund 29 % der Bevölkerung ab. Sie konnten damit allerdings nur einen Teil der Nicht- oder Unterversicherten auffangen. Die übrigen mussten ihre Krankheitskosten ganz aus der eigenen Tasche bezahlen oder waren in akuten Fällen auf die kostenlose Notversorgung EMTALA in Krankenhäusern angewiesen.

Das neue Gesetz schließt nun bestehende Versicherungslücken (z.B. für Frührentner und junge Erwachsene) und verwehrt es den Versicherungsgesellschaften, Menschen mit bestimmten körperlichen Anlagen oder Vorerkrankungen von vornherein auszuschließen und im Falle kostenintensiver Behandlungen die Police zu kündigen. Kleine Unternehmen sollen durch steuerliche Entlastungen in die Lage versetzt werden, eine Versicherung für ihre Beschäftigten abzuschließen. 2014 tritt eine allgemeine Krankenversicherungspflicht in Kraft. Über öffentliche Krankenversicherungsbörsen können dann vom Arbeitsplatz unabhängige Einzel- oder Familienversicherungen erworben werden. Die Versicherungsunternehmen müssen sich an den Kosten der Reform beteiligen. Ein weiterer Schwerpunkt des Gesetzes zielt darauf ab, die gesundheitliche Grundversorgung in den USA entscheidend zu verbessern.

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Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
color: Komplette Online-Ausgabe als PDF-Datei.
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Ausgabe: 07/2010
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