Jugendgewalt

Jugendgewalt
Seitenanzahl

1

Die regelmäßige Medienberichterstattung über brutale Attacken jugendlicher Gewalttäter vermittelt den Eindruck, dass Jugendgewalt stark zugenommen hat. Doch laut der Polizeilichen Kriminalstati ...

Verfügbare Produktformate:

Die regelmäßige Medienberichterstattung über brutale Attacken jugendlicher Gewalttäter... mehr
Mehr Details zu "Jugendgewalt"

Die regelmäßige Medienberichterstattung über brutale Attacken jugendlicher Gewalttäter vermittelt den Eindruck, dass Jugendgewalt stark zugenommen hat. Doch laut der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) war die jugendliche Gewaltkriminalität ab 2008 über viele Jahre hinweg sogar rückläufig. Bei Raubdelikten setzte sich diese Entwicklung auch 2016 fort, bei Körperverletzungsdelikten kam es im selben Jahr allerdings zu einer neuerlichen Zunahme – sowohl bei Jugendlichen als auch bei Heranwachsenden, die unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls unter das Jugendstrafrecht fallen. Einen Anteil daran hatte die gestiegene Zuwanderung. Während die Gesamtzahl der deutschen Tatverdächtigen bei Gewaltdelikten 2016 kaum höher war als im Vorjahr, verdoppelte sich die Zahl der tatverdächtigen Flüchtlinge und Asylbewerber nahezu. Die Opfer der von Zuwanderern verübten Gewaltdelikte waren in den allermeisten Fällen selbst Zuwanderer, was auch mit den beengten Zuständen in Flüchtlingsunterkünften zu erklären ist. Außerdem sind unter den Zuwanderern überproportional viele Männer zwischen 18 und 21 Jahren – eine Geschlechts- und Altersgruppe, die auch unter Deutschen deutlich öfter mit Gewaltdelikten auffällt.

Messen lassen sich solche Zusammenhänge anhand der sogenannten Tatverdächtigenbelastungszahl (TVBZ); sie setzt die Zahl der Tatverdächtigen in Bezug zu 100000 Einwohnern derselben Altersgruppe. Bei den Heranwachsenden (18- bis 20-Jährigen) lag die TVBZ für Gewaltkriminalität auch 2016 mit 905 mehr als viermal so hoch wie die für Erwachsene (195). Ähnlich sah es bei den Jugendlichen (14- bis 17-Jährigen) aus, die mit einer TVBZ von 706 dreieinhalbmal so oft wie Erwachsene ein Gewaltdelikt begingen. Dass im Jugendalter häufiger gegen Regeln und Normen verstoßen wird, ist über fast alle Kulturen und Zeiten hinweg beobachtbar. Das Phänomen ist jedoch in der Regel episodisch: Mit zunehmendem Alter und infolge eines allgemeinen psychosozialen Reifeprozesses nimmt die Zahl der Straftaten ab (sog. Alters-Kriminalitäts-Kurve). Zudem entfällt ein Großteil der Jugendkriminalität auf Delikte von eher geringer Schwere, darunter leichte Körperverletzung, Ladendiebstahl oder Sachbeschädigung.

Zur Bekämpfung von Jugendgewalt werden häufig härtere Strafen gefordert, die im Kern auf Abschreckung setzen (wie z.B. der 2013 eingeführte „Warnschussarrest“). Deren Wirkung ist aber umstritten. Maßnahmen zur Prävention setzen früher an und umfassen u.a. die Verbesserung von Bildungschancen, die Stärkung erzieherischer Kompetenzen von Eltern oder eine kritische Auseinandersetzung mit gewaltorientierten Männlichkeitsnormen („Machokultur“).

Seitenanzahl: 1
Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
color: Komplette Online-Ausgabe als PDF-Datei.
s/w-Version: Komplette Online-Ausgabe als PDF-Datei.
eps: eps-Version
Ausgabe: 05/2017
Zuletzt angesehen