Vermeidbarer Tod

Vermeidbarer Tod

Infografik Nr. 707155

Nach Zahlen des europäischen Statistikamts Eurostat wären in der EU 2017 mehr als 420 000 Sterbefälle allein durch bessere medizinische Behandlung und Pflege vermeidbar gewesen. Noch weit mehr vorzeitige Todesfälle (rund 730 000) ließen sich durch umfassende öffentliche Gesundheitsmaßnahmen vermeiden. Dabei ist besonders an Aufklärungskampagnen, Unfallverhütungsmaßnahmen, die Einschränkung des Tabak- und Alkoholkonsums zu denken.

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In der EU-28 starben 2017 fast 1,7 Mio Menschen im Alter von unter 75 Jahren. Aber ein... mehr
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In der EU-28 starben 2017 fast 1,7 Mio Menschen im Alter von unter 75 Jahren. Aber ein großer Teil dieser Todesfälle hätte vermieden werden können. Gesundheitsforscher gehen davon aus, dass viele Krankheiten so weit behandelbar sind, dass sie nicht zum Tode führen müssen, jedenfalls nicht zu einem so frühen Zeitpunkt. Je besser ein Gesundheitssystem funktioniert, desto geringer also der Anteil solcher vorzeitigen Todesfälle. Folgt man dieser Überlegung, können die entsprechenden Sterberaten als grober Vergleichsmaßstab für die Qualität der Gesundheitsversorgung eines Landes dienen. Und es lässt sich fragen, wo noch Schwachstellen liegen: in der Finanzierung des Gesundheitswesens etwa oder im medizinischen Leistungsspektrum – von der Früherkennung und Diagnose über die ambulante oder stationäre Behandlung und die Versorgung mit Geräten und Medikamenten bis hin zur Pflege und Nachsorge.

Nach Zahlen des europäischen Statistikamts Eurostat wären in der EU 2017 mehr als 420 000 Sterbefälle allein durch bessere medizinische Behandlung und Pflege vermeidbar gewesen – im Durchschnitt 93 Sterbefälle je 100 000 Einwohner. Im EU-Vergleich schneiden Frankreich, die Niederlande, Spanien und Italien mit jeweils 60 bis 70 auf diese Weise vermeidbaren Todesfällen je 100 000 Einwohner am besten ab. Deutlich höhere Raten – zwischen 128 in Tschechien und 208 in Rumänien – weisen dagegen die östlichen EU-Mitgliedstaaten auf. Darin finden die finanziellen Beschränkungen und der immer noch bestehende Nachholbedarf beim Ausbau des Gesundheitswesens in diesen Ländern ihren Ausdruck.

Noch weit mehr vorzeitige Todesfälle (rund 730 000) ließen sich durch umfassende öffentliche Gesundheitsmaßnahmen vermeiden. Dabei ist besonders an Aufklärungskampagnen, Unfallverhütungsmaßnahmen, an die Vermeidung von Umweltschäden, die Einschränkung des Tabak- und Alkoholkonsums, aber auch an ein entschiedenes Vorgehen gegen die Ausbreitung von Seuchen zu denken. Die Bandbreite der dadurch vermeidbaren Sterbefälle je 100 000 Einwohner lag 2017 zwischen 107 in Italien und 327 in Ungarn. Da mancher vorzeitige Tod sowohl durch bessere Behandlung als auch durch gesundheitspolitische Maßnahmen hätte verhindert werden können, ergänzen sich die Ergebnisse beider Teilbereiche. Für die gesamte EU geht Eurostat von nahezu 1,2 Mio Todesfällen (2017) aus, die so oder so vermeidbar gewesen wären. In allen EU-Ländern außer den Niederlanden waren mehr Männer als Frauen von vorzeitigen Sterbefällen betroffen. Hauptursachen der vermeidbaren Todesfälle sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungenkrebs, Durchblutungsstörungen am Gehirn, Darmkrebs, alkoholbedingte Erkrankungen und Brustkrebs.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 09/2020
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