Fluchtwege nach Europa

Fluchtwege nach Europa

Infografik Nr. 708071

Jedes Jahr verlassen Tausende Menschen ihre Heimat, weil sie sich in der EU ein besseres Leben oder eine Zuflucht vor Krieg und Verfolgung erhoffen. Ab 2011 nahm die Zahl der Asylanträge in der EU deutlich zu. 2015, im Jahr der sogenannten "Flüchtlingskrise", stieg sie sprunghaft auf nahezu 1,3 Mio, angetrieben vor allem vom syrischen Bürgerkrieg. Bis 2018 sank sie aber wieder auf rund 0,6 Mio.

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Jedes Jahr verlassen Tausende Menschen ihre Heimat, weil sie sich in der EU ein besseres Leben oder eine Zuflucht vor Krieg und Verfolgung erhoffen. Ab 2011 nahm die Zahl der Asylanträge in der EU deutlich zu. 2015, im Jahr der sogenannten „Flüchtlingskrise“, stieg sie sprunghaft auf nahezu 1,3 Mio, angetrieben vor allem vom syrischen Bürgerkrieg. Bis 2018 sank sie aber wieder auf rund 0,6 Mio. In engem Zusammenhang mit dieser Entwicklung stehen die illegalen Grenzübertritte an den EU-Außengrenzen: Im Krisenjahr 2015 registrierte die europäische Grenzsicherungsagentur Frontex über 1,8 Mio unerlaubte Grenzübertritte, 2018 nur noch 150 000. Der an den Asylanträgen ablesbare Rückgang des Migrationsdrucks geht also einher mit der Abnahme der illegalen Grenzübertritte. Dies war vor allem eine Folge politischer Maßnahmen, die auch zu einer Verlagerung der Migrationsrouten geführt haben.

Der am häufigsten genutzte Fluchtweg war 2015 die östliche Mittelmeer-Route über die Türkei nach Südosteuropa. Hier wurden damals nahezu 900 000 illegale Grenzübertritte registriert. 2018 waren es nur noch rund 57 000, vor allem durch Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. Der drastische Rückgang auf dieser Route erklärt sich vor allem durch das EU-Türkei-Abkommen vom März 2016: Seitdem nimmt die Türkei Asylsuchende, die von ihrem Territorium aus nach Griechenland gelangt sind, wieder zurück. Dadurch sinkt der Anreiz für Migranten, die Route über die Ägäis zu wählen. Ein noch stärkerer Rückgang war auf der Route über den westlichen Balkan zu beobachten. 2015 bildete sie den Anschluss für die Flüchtlinge aus der Ägäis, Frontex zählte hier rund 764 000 illegale Grenzübertritte. 2018 waren es nur noch knapp 6 000 Übertritte, vornehmlich durch Migranten aus Afghanistan und Pakistan. Seitdem mehrere Balkanländer Grenzzäune hochgezogen haben, ist die Balkanroute weitgehend abgeriegelt.      

Auch im zentralen Mittelmeer gingen die Zahlen deutlich zurück: 2015 wurden dort über 150 000 illegale Grenzübertritte registriert, 2018 noch rund 23 500 (vor allem durch Migranten aus Tunesien, Eritrea und dem Sudan). Wichtigster Knotenpunkt auf dieser Route war lange Libyen, wo Schlepper die Fluchtwilligen auf oft kaum seetaugliche Boote verfrachteten, aber die verstärkten Patrouillen der libyschen Küstenwache haben dies eingedämmt. Auch die Seeraumüberwachung durch die EU trug zum Rückgang bei. In der Folge fand jedoch eine dramatische Verlagerung ins westliche Mittelmeer statt. 2015 gab es hier nur rund 7 200 illegale Grenzübertritte, 2018 dagegen mehr als 56 500. Meist handelte es sich dabei um Menschen aus Afrika südlich der Sahara, doch konnte die genaue Herkunft oft nicht ermittelt werden.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 04/2019
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