Tödliche Flucht über das Mittelmeer

Tödliche Flucht über das Mittelmeer
Seitenanzahl

1

Tödliche Flucht über das Mittelmeer

Mehr als eine Million Menschen nahmen im Jahr 2015 die waghalsige Seereise über das Mittelmeer auf sich, um an die Küsten Europas zu gelangen. Das z ...

Produktformat

Bitte ein Produktformat auswählen
Tödliche Flucht über das Mittelmeer Mehr als eine Million Menschen nahmen im Jahr 2015 die... mehr
Mehr Details zu "Tödliche Flucht über das Mittelmeer"

Tödliche Flucht über das Mittelmeer

Mehr als eine Million Menschen nahmen im Jahr 2015 die waghalsige Seereise über das Mittelmeer auf sich, um an die Küsten Europas zu gelangen. Das zeigt die Verzweiflung der Flüchtenden, denn das Risiko ist hoch: Rund 3770 Menschen bezahlten die gefährliche Überfahrt mit ihrem Leben. Im Vorjahr starben im Mittelmeer bereits 3279 Migranten, wie Zahlen des Missing Migrants Project belegen. Das Projekt wurde Ende 2013 von der Internationalen Organisation für Migration (IOM) initiiert, nachdem bei Schiffsunglücken vor der italienischen Insel Lampedusa fast 400 Flüchtlinge ihr Leben lassen mussten. Viele der Toten bleiben namenlos, ihre Leichen wurden nie gefunden, und bei mehr als einem Drittel lässt sich die Herkunft nicht ermitteln. Soweit bekannt, stammten die meisten der 2015 im Mittelmeer umgekommenen Flüchtlinge aus Afrika südlich der Sahara (rund 32 %), ein weiteres Drittel (33 %) aus den Krisengebieten im Nahen Osten, in Nordafrika und am Horn von Afrika (Somalia).

Die gefährlichste Route verläuft im zentralen Mittelmeer: Allein dort starben 2015 fast 2900 Menschen. Ausgangspunkt der Route ist meist die libysche Küste, das Ziel ist das italienische Festland, vor allem aber die ihm vorgelagerten Inseln. Dorthin schafften es 2015 etwa 157000 Menschen, die meisten aus Eritrea, Nigeria und Somalia. Viel größer noch aber war der Flüchtlingsstrom im östlichen Mittelmeer, eine Folge vor allem des Bürgerkriegs in Syrien. Fast 900000 Menschen (hauptsächlich aus Syrien, aber auch aus Afghanistan und Somalia) brachen 2015 von der türkischen Küste auf, um auf eine der griechischen Ägäis-Inseln oder das griechische Festland zu gelangen – mehr als 800 fanden bei diesem Versuch den Tod. Im westlichen Mittelmeer, auf dem Weg nach Spanien, kamen 72 Menschen ums Leben.

Organisiert werden die lebensgefährlichen Überfahrten von kriminellen Schleppernetzwerken, die auf der Jagd nach Profit möglichst viele Menschen auf halb abgewrackten Booten zusammenpferchen. Um gegen die Schlepper vorzugehen startete die EU im Juni 2015 eine Marinemission im zentralen Mittelmeer; diese erhielt im September 2015 den Namen „Operation Sophia“. Neben der Seenotrettung soll sie Informationen über Schleppernetzwerke beschaffen. Seit Oktober 2015 dürfen ihre Schiffe auch Boote von Schleppern in internationalen Gewässern anhalten, durchsuchen und gegebenenfalls beschlagnahmen. In einer weiteren Phase soll dies auch auf fremdem Territorium möglich sein. Schlepper können dabei verhaftet werden (allerdings befinden sie sich meist gar nicht selbst auf den Booten). Seit Anfang 2016 beteiligt sich auch die Nato mit einem Marineverband am Kampf gegen Schlepper in der Ägäis.

Seitenanzahl: 1
Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
color: Komplette Online-Ausgabe als PDF-Datei.
s/w-Version: Komplette Online-Ausgabe als PDF-Datei.
eps: eps-Version
Ausgabe: 02/2016
Zuletzt angesehen