Herero-Aufstand und kolonialer Völkermord 1904

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Rund ein Jahrhundert, nachdem das Deutsche Reich im Versailler Vertrag „auf alle seine Rechte und Ansprüche in bezug auf seine überseeischen Besitzungen“ verzichten musste, wird Deutschland wieder mit seiner kolonialen Vergangenheit konfrontiert. Vertreter der Herero und Nama wollen die Bundesrepublik wegen der Verfolgung und Vernichtung ihrer Vorfahren im damaligen Deutsch-Südwestafrika auf Reparationen verklagen. Und die Bundesregierung führt Verhandlungen mit der Regierung des heutigen Staates Namibia, in denen es auch um Wiedergutmachung für das Vorgehen der deutschen Kolonialtruppen bei der Niederschlagung des Herero-Aufstands in den Jahren 1904-1908 geht.

Südwestafrika wurde vom Deutschen Reich 1884 als „Schutzgebiet“ in Besitz genommen. Es sollte im Wesentlichen durch private Initiative – durch Handelsgesellschaften, Unternehmer und Siedler – erschlossen werden; zur Sicherung der Kolonisten wurde eine „Schutztruppe“ entsandt. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs lebten rund 15000 weiße Siedler in Südwestafrika, davon etwa 12000 Deutsche. Die relativ begrenzte Anzahl von Siedlerstätten genügte, um durch Aneignung von Weideland und Wasserstellen die Lebensgrundlagen der einheimischen halbnomadischen Volksgruppen zu beschneiden. Dagegen erhob sich im Januar 1904 ein blutiger Aufstand der Herero: sie überfielen Farmen und Siedlungen der Weißen und töteten mehr als 120 Männer. Im Oktober 1904 folgte ein Aufstand der Nama.

Auf diese Attacken antwortete das Deutsche Reich mit aller Härte. Die den Herero unterlegene, 2000 Mann starke Schutztruppe wurde in den folgenden Monaten um etwa 14000 Mann aufgestockt; die Befehlsgewalt wurde Generalleutnant Lothar von Trotha übertragen, der einen Vernichtungsfeldzug gegen die Aufständischen ausrief. Die entscheidende Schlacht fand am 11.8.1904 am Waterberg nördlich von Windhoek statt, wo etwa 60000 Herero den Angriff erwarteten. Sie hatten der überlegenen Bewaffnung der deutschen Truppen nichts entgegenzusetzen und flohen nach Osten in die Omaheke-Halbwüste. Von Trotha ließ ihnen nachsetzen. Ohne Wasser, Nahrung und Futter für die Tiere kamen auf dieser Flucht Zehntausende ums Leben. Am 2.10.1904 ließ „der große General des mächtigen Deutschen Kaisers“ die Herero wissen: „Innerhalb der Deutschen Grenze wird jeder Herero mit oder ohne Gewehr, mit oder ohne Vieh erschossen.“ Gefangene wurden bis 1908 in „Konzentrationslager“ gesperrt, wo sie zu Tausenden an Hunger, Skorbut, Entkräftung und den ungewohnten Witterungsbedingungen starben. Insgesamt kostete dieser „erste Völkermord des 20. Jahrhunderts“ schätzungsweise 70000-90000 Herero und Nama das Leben.

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Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 09/2017
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