Libyen

Libyen

Infografik Nr. 880275

Für Europa ist Libyen heute aus mehreren Gründen von Bedeutung: als Ausgangspunkt von Migrationsströmen über das Mittelmeer, als Lieferant von Erdöl und Erdgas, aber auch wegen den Gefahren, die vom islamistischen Terrorismus ausgehen. Historisch-geografisch gehört das ans Mittelmeer grenzende Gebiet des heutigen Libyen seit jeher zur direkten Nachbarschaft Europas.

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Für Europa ist Libyen heute aus mehreren Gründen von Bedeutung: als Ausgangspunkt von Migrationsströmen über das Mittelmeer, als Lieferant von Erdöl und Erdgas, aber auch wegen den Gefahren, die vom islamistischen Terrorismus ausgehen. Historisch-geografisch gehört das ans Mittelmeer grenzende Gebiet des heutigen Libyen seit jeher zur direkten Nachbarschaft Europas. Die Küstenregionen Tripolitanien und die Cyrenaika waren bereits Teil des Römischen Reiches. Seine heutigen Grenzen erhielt Libyen, als das südliche Wüstengebiet des Fessan 1934 unter italienischer Kolonialherrschaft mit den Küstengebieten zur Kolonie Libyen zusammengeführt wurde. Nach Italiens Verzicht auf die Kolonie wurde Libyen 1947 als Königreich formal unabhängig. Doch 1969 putschte sich Oberst Muammar al-Gaddafi an die Macht und regierte das Land fortan diktatorisch. Gaddafi war lange ein Erzfeind des Westens; er organisierte weltweit Terroranschläge – der bekannteste davon ein Bombenanschlag auf ein amerikanisches Passagierflugzeug, das über dem schottischen Lockerbie abstürzte (1988). Später jedoch näherte sich Gaddafi dem Westen an und wurde von einzelnen Regierungschefs sogar hofiert: als Partner im Kampf gegen Terrorismus und irreguläre Migration und als Lieferant von Öl und Gas.

Dann aber kam der „arabische Frühling“ und in der gesamten arabischen Welt erhoben sich Aufstände gegen die repressiven Regime. Den Volksaufstand in Libyen versuchte Gaddafi militärisch niederzuschlagen, doch weil die NATO den Rebellen mit Luftschlägen zu Hilfe kam, gelang der Sturz des Diktators; im Oktober 2011 wurde Gaddafi von Rebellen gefangengenommen und fiel einem Lynchmord zum Opfer. In einer Verfassungserklärung verkündeten die neuen Machthaber die Einführung der parlamentarischen Demokratie in Libyen. Doch aus der Rebellion waren zahllose miteinander konkurrierende Milizen hervorgegangen. 2014 entwickelte sich daraus ein Bürgerkrieg, in dem sich die Milizen um zwei Lager gruppierten: eine moderat-islamistische Regierung in Tripolis, die von den meisten westlichen Staaten sowie von der Türkei und Katar unterstützt wird, und eine von General Chalifa Haftar geführte Gegenregierung mit Basis in der Cyrenaika, hinter der Ägypten, Saudi-Arabien und Russland stehen.

Diese Entwicklung hat katastrophale Folgen für die humanitäre Lage im Land. Hinzu kommen strukturelle ökonomische Schwächen. Der Öl- und Gassektor ist praktisch die einzige Säule der gesamten libyschen Wirtschaft: Er macht mehr als zwei Drittel der Wirtschaftsleistung aus, und sowohl die Exporterlöse als auch die Staatseinnahmen speisen sich ausschließlich aus dem Verkauf von Erdöl und Erdgas.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 02/2020
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