Rückfälle bei Straftaten

Rückfälle bei Straftaten
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Infografik Nr. 131214

Im modernen Rechtssystem dienen Strafen nicht der bloßen Vergeltung. Ihre wesentliche Funktion liegt vielmehr darin, zukünftige Straftaten zu verhindern. Dabei richtet sich ihre beabsichtigte Wirk ...

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Im modernen Rechtssystem dienen Strafen nicht der bloßen Vergeltung. Ihre wesentliche Funktion liegt vielmehr darin, zukünftige Straftaten zu verhindern. Dabei richtet sich ihre beabsichtigte Wirkung einerseits auf die Gesellschaft im Allgemeinen (Generalprävention): Strafen sollen die geltende Rechtsordnung bekräftigen, das öffentliche Rechtsbewusstsein stärken und mögliche Täter vom Begehen einer Straftat abhalten. Andererseits sollen Strafen auf den Täter selbst einwirken: negativ, indem sie ihn von weiteren Straftaten abschrecken, und positiv, indem sie von Maßnahmen zur Resozialisierung begleitet werden. Der Erfolg einer solchen Spezialprävention lässt sich daran bemessen, ob ein strafrechtlich sanktionierter Täter erneut straffällig wird. Dazu haben Forscher des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Strafrecht und der Universität Göttingen über einen Zeitraum von neun Jahren (2004 bis 2013) beobachtet, wie sich Straftäter nach einer Sanktion bzw. nach ihrer Haftentlassung „bewähren“. Die Datenbasis lieferten die Eintragungen in das Zentral- und Erziehungsregister.

Wie die Auswertung der Daten zeigte, wurde fast die Hälfte der zur Rechenschaft gezogenen Straftäter erneut straffällig: Die allgemeine Rückfallrate lag nach neun Jahren bei 48 %. Unterschiede zeigten sich erwartungsgemäß beim Alter: So wurden Jugendliche und Heranwachsende im Allgemeinen öfter und schneller rückfällig als Erwachsene. Bei Straftätern unter 21 Jahren wurde bei mehr als der Hälfte eine weitere strafrechtliche Sanktion fällig, bei Erwachsenen über 45 Jahre sank diese Rate auf weniger als 40 %. Noch deutlicher waren die Unterschiede nach dem Geschlecht: Die Rückfallrate bei Männern lag um fast zwanzig Prozentpunkte höher als bei Frauen (52 % gegenüber 35 %).

Auch nach der Art des Deliktes unterscheiden sich die Rückfallraten. Dabei ist zusätzlich die einschlägige Rückfallrate von Interesse: Sie zeigt, ob ein Straftäter mit einer Tat rückfällig wurde, die derselben Deliktgruppe zuzurechnen ist wie die Tat der ursprünglichen Sanktion. Die höchsten allgemeinen Rückfallraten waren in der Deliktgruppe Raub oder Erpressung zu beobachten: Fast drei Viertel der Täter (72 %) wurden binnen neun Jahren erneut straffällig, allerdings nur 12 % einschlägig, also wieder mit einem Raub- oder Erpressungsdelikt. Hoch waren die Quoten auch bei Körperverletzung: 57 % begingen erneut eine Strafttat, bei 23 % war es wieder Körperverletzung. Bei Vergewaltigung und sexueller Nötigung sowie bei Mord und Totschlag gab es dagegen nur sehr wenige Wiederholungstäter (3 % bzw. unter 1 %). Etwa die Hälfte der Sexualstraftäter wurde indes wieder allgemein straffällig, bei Tötungsdelikten etwa ein Drittel.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 01/2017
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