Europa ohne Kinder?

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Europa ohne Kinder?

In Europa steht die Bevölkerungsentwicklung seit Mitte der 1960er Jahre im Zeichen eines anhaltenden Geburtenrückgangs. Die Fruchtbarkeitsrate – sie gibt an, wie viele Kinder eine Frau unter den jeweils geltenden Geburtenverhältnissen im Lauf ihres Lebens zur Welt brächte – sank in den heutigen EU-Mitgliedstaaten binnen vierzig Jahren von durchschnittlich 2,5 (1960) auf nur noch rund 1,5 (um 2000). Diese Entwicklung vollzog sich in den europäischen Ländern mehr oder weniger gleichförmig, wenn auch zeitlich verschoben und in unterschiedlichem Ausmaß. Weil sie manche Parallelen zum Übergang von der agrarischen zur industriellen Bevölkerungsweise (im 19. und frühen 20. Jahrhundert) aufweist, wird sie in Analogie dazu häufig als zweiter demographischer Übergang bezeichnet.

Ursache dieses neuen Geburtenrückgangs, so die gängige Erklärung, waren die gesellschaftlichen Veränderungen der Nachkriegsjahrzehnte, der Drang nach Selbstverwirklichung insbesondere der Frauen und die damit einhergehende Ablösung traditioneller Lebensentwürfe. Offenbar bestand ein Zusammenhang zwischen der steigenden Frauenerwerbstätigkeit und dem Trend zu offeneren Partnerschaftsbeziehungen, zur kleineren Familie, zur aufgeschobenen Mutterschaft oder zum Verzicht auf Kinder. Durch die „Pille“ und andere Methoden der Empfängnisverhütung wurde die Familienplanung als Teil einer bewussten, abwägenden Lebensplanung wesentlich erleichtert.

Dieses Erklärungsmuster wird inzwischen durchaus hinterfragt. Wäre es so, dass die zunehmende Bildungs- und Erwerbsbeteiligung der Frauen und der Wandel der Lebensformen mit Notwendigkeit zu sinkenden Geburtenraten führen, müsste der Geburtenrückgang in den nordeuropäischen Ländern am stärksten ausgeprägt sein. Tatsächlich ist das Geburtenniveau dort aber deutlich höher als im noch eher traditionsverhafteten Süden Europas. Auch zeigte sich, dass die Fruchtbarkeitsraten nach einem Tiefpunkt um das Jahr 2000 europaweit wieder anstiegen. Von einer Trendwende zu sprechen, erwies sich aber als voreilig. Nach wie vor werden in allen Ländern Europas weniger Kinder geboren als notwendig wären, um die Elterngeneration zu ersetzen. Allerdings gibt es Länder wie Frankreich oder Irland, welche die „Ersatzrate“ (2,1 Kinder je Frau) nur knapp verfehlen, während andere (wie Portugal, Griechenland, Polen oder die Slowakei) mit Werten um 1,3 weit dahinter zurückbleiben. Deutschland wies zuletzt einen Anstieg der Fruchtbarkeitsrate auf 1,47 Kinder je Frau auf – wohl dadurch bedingt, dass Eltern unter günstigen Voraussetzungen ihren zuvor aufgeschobenen Kinderwunsch Wirklichkeit werden ließen.

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Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 03/2016
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