Tödliche Flucht

Tödliche Flucht

Infografik Nr. 708072

Nach Zahlen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) bezahlten seit 2014 mehr als 17 500 Menschen die gefährliche Seefahrt mit ihrem Leben, und die Dunkelziffer dürfte noch weit höher liegen. Die Entwicklung hatte 2016 einen traurigen Gipfel erreicht, die IOM zählte 5 143 Tote und Vermisste. Seitdem gingen die Todeszahlen zurück.

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Jedes Jahr nehmen tausende Menschen die waghalsige Seereise über das Mittelmeer auf sich, um an die Küsten Europas zu gelangen. Das zeigt die Verzweiflung der Flüchtenden, denn das Risiko ist hoch: Nach Zahlen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) bezahlten seit 2014 mehr als 17 500 Menschen die gefährliche Seefahrt mit ihrem Leben, und die Dunkelziffer dürfte noch weit höher liegen. Organisiert werden die Überfahrten von Schlepperbanden, die auf der Jagd nach Profit möglichst viele Menschen auf halb abgewrackten Booten zusammenpferchen. Viele Tote bleiben namenlos, ihre Leichen wurden nie gefunden, und beim Großteil lässt sich die Herkunft nicht ermitteln. Soweit bekannt, stammten die meisten der im Mittelmeer umgekommenen Flüchtlinge aus Afrika südlich der Sahara. Die übrigen identifizierten Toten kamen aus Krisengebieten in Nordafrika, dem Nahen Osten oder Südasien.

Die Entwicklung hatte 2016 einen traurigen Gipfel erreicht, die IOM zählte 5 143 Tote und Vermisste. Seitdem gingen die Todeszahlen zurück. 2018 wurden noch 2 242 Verunglückte registriert. Eine Ursache für den Rückgang sind die von der EU ergriffenen Maßnahmen gegen irreguläre Migration. So startete die EU 2015 eine Marinemission im zentralen Mittelmeer („Operation Sophia“). Neben der Seenotrettung soll sie Informationen über Schleppernetzwerke beschaffen. Ihre Schiffe dürfen auch Boote von Schleppern in internationalen Gewässern anhalten, durchsuchen und gegebenenfalls beschlagnahmen. Schlepper können dabei verhaftet werden (allerdings befinden sie sich meist gar nicht selbst auf den Booten). Unterstützt wird die EU seit 2016 durch NATO-Kräfte in der Ägäis und durch die NATO-Mission „Sea Guardian“. 

Politische Maßnahmen haben außerdem zu geografischen Verlagerungen geführt. So ging ab 2015 die Zahl der im östlichen Mittelmeer Verunglückten zurück, weil die Balkanstaaten ihre Grenzen abriegelten und das Rücknahme-Abkommen zwischen der EU und der Türkei (2016) den Anreiz für die Ägäis als Überfahrtsroute verringerte. Die Zahl der Todesopfer verlagerte sich nun noch stärker ins zentrale Mittelmeer. Seit 2017 ist eine erneute Verlagerung zu beobachten, diesmal ins westliche Mittelmeer, wo die Totenzahl 2018 stark anstieg. Die wohl wichtigste Ursache ist, dass die von der EU unterstützte libysche Küstenwache seit Mitte 2017 die Kontrolle über die libyschen Küstengewässer übernommen hat. Private Rettungsschiffe mussten sich zurückziehen. Die zentrale Mittelmeerroute wurde dadurch noch gefährlicher. Eine Rolle spielen auch die Vereinbarungen der EU zur Eindämmung des Flüchtlingstransits durch die Sahara mit Ländern wie Sudan, dem Tschad und Niger.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 01/2019
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