Asylanträge in der EU

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Asylanträge in der EU

Die Entwicklung der Asylanträge in der EU wird in hohem Maße von den in der Welt und vor allem in der regionalen Umgebung Europas aufflammenden Konflikten beeinflusst. So führten die Kriege im zerfallenden Jugoslawien in den 1990er Jahren zu einem Flüchtlingsstrom in die EU-Länder und einer steilen Zunahme der Asylanträge. Um die Jahrtausendwende wurden in den Ländern der heutigen EU jährlich über 400000 Asylbewerber registriert, bis 2003 ein Rückgang einsetzte; in der Folgezeit schwankte die Zahl der Asylanträge um etwa 250000 pro Jahr. Ein neuerlicher Anstieg begann ab 2011 in der Folge des Bürgerkriegs in Syrien. Als dort die Kämpfe heftiger wurden und sich gleichzeitig die Lage der syrischen Flüchtlinge in den Nachbarländern verschlechterte, drängten ab dem Spätsommer 2015 Hunderttausende nach Europa. Vor allem dadurch stieg die Zahl der Erstanträge auf Asyl in der EU 2015 auf den Rekordwert von 1255640 – mehr als das Doppelte des Vorjahrs. Als Herkunftsland der Asylbewerber stand Syrien mit rund 362800 Anträgen (29 %) an der Spitze. Es folgten Afghanistan mit 178200 (14 %) und der Irak mit 121500 Anträgen (10 %). Einen relativ großen Anteil stellten auch Asylbewerber aus Albanien und dem Kosovo (jeweils 5 %), deren Anträge allerdings fast durchweg abgelehnt werden.

Unter den Zielländern der Asylbewerber lag auch 2015 Deutschland mit weitem Abstand vorn: Mehr als ein Drittel aller Asylanträge (rund 441800) entfielen auf die Bundesrepublik. An zweiter Stelle lag erstmals Ungarn – eine Folge seiner geografischen Lage an der sogenannten Balkanroute, die viele Flüchtlinge aus dem Nahen und Mittleren Osten auf ihrem Weg nach Europa nehmen. Bis zum Jahresende registrierte Ungarn 174400 Asylbewerber. Es folgten Schweden (156100), Österreich (85500) und Italien (83200). Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl nahmen Ungarn und Schweden mit 17,7 bzw. 16,0 Anträgen je 1000 Einwohner die vordersten Ränge ein. Deutschland lag mit einer Quote von 5,4 im Mittelfeld.

Der massive Flüchtlingsandrang im Jahr 2015 stellte die EU vor eine Zerreißprobe. Mehrere Staaten reagierten mit der Verschärfung ihrer Asylgesetze (darunter auch Deutschland). Während sich Deutschland für eine europäische Lösung einsetzte – mit einem gemeinsamen Schutz der Außengrenzen bei weiterhin offenen Grenzen innerhalb der EU –, beschlossen mehrere Länder entlang der Balkanroute einseitig die Schließung ihrer nationalen Grenzen (Ungarn, Slowenien, Kroatien, Serbien und Mazedonien). Gegen einen gesamteuropäischen Ansatz in der Form eines Lastenausgleichs durch feste Aufnahmequoten für einzelne EU-Länder sperrten sich vor allem die osteuropäischen Staaten.

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Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 03/2016
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