Europas Kinder: Nichteheliche Geburten

Europas Kinder: Nichteheliche Geburten

Infografik Nr. 707119

Noch vor wenigen Jahrzehnten waren nichteheliche Geburten in Deutschland wie in den meisten anderen Ländern Europas mit einem gesellschaftlichen Makel behaftet. Ledige Mütter und ihre Kinder waren verbreiteten Vorurteilen und Anfeindungen ausgesetzt. In einer Zeit‚ in der die Werte der Ehe und der bürgerlichen Familie besonders hoch gehalten wurden‚ mussten sich unehelich geborene Kinder oft als Ausgestoßene empfinden.

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Noch vor wenigen Jahrzehnten waren nichteheliche Geburten in Deutschland wie in den meisten anderen Ländern Europas mit einem gesellschaftlichen Makel behaftet. Ledige Mütter und ihre Kinder waren verbreiteten Vorurteilen und Anfeindungen ausgesetzt. In einer Zeit‚ in der die Werte der Ehe und der bürgerlichen Familie besonders hoch gehalten wurden‚ mussten sich unehelich geborene Kinder oft als Ausgestoßene empfinden. Allerdings war die Nichtehelichenquote – der Anteil der unehelich Geborenen – in Deutschland auch nie so niedrig wie in den sittenstrengen Nachkriegsjahrzehnten. Auf ihrem Tiefpunkt‚ 1966‚ lag sie bei weniger als 6%. Mitte des 19. Jahrhunderts belief sie sich aber schon auf 12% und ähnlich hoch war sie auch in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg. In der Ausnahmesituation unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden (1946) sogar 17% der Kinder außerehelich geboren.

Der Anstieg der Nichtehelichenquote in den letzten Jahrzehnten ist demgegenüber als Ausdruck eines „universellen Modernisierungsprozesses“ zu werten‚ in dem sich die Gleichsetzung von Elternschaft und Ehe deutlich abgeschwächt hat – so das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB). 2016 wurde in Deutschland bereits mehr als jedes dritte Neugeborene (36%) von einer unverheirateten Mutter zur Welt gebracht. 1990 lag dieser Anteil mit 15% nicht einmal halb so hoch. „Nichtehelich geboren“ bedeutet heutzutage aber nicht zwangsläufig‚ dass das Kind in eine unvollständige Familie hineinwächst: Häufig leben die Eltern in einer festen Lebensgemeinschaft‚ aber unverheiratet zusammen.

Vergleichszahlen aus der übrigen EU zeigen‚ dass der Anteil nichtehelicher Geburten im Laufe einer Generation überall zugenommen hat‚ wenngleich von Land zu Land in unterschiedlichem Maß. Kamen in den heutigen EU-Staaten 1990 im Durchschnitt rund 17 von 100 Neugeborenen außerhalb einer Ehe zur Welt‚ so waren es 2016 schon 43 von 100. In acht EU-Ländern wurde zuletzt bereits mehr als die Hälfte aller Babys nichtehelich geboren – in osteuropäischen Staaten wie Estland und Bulgarien ebenso wie im Westen (Frankreich‚ Portugal) und im Norden der Union (Schweden‚ Dänemark). Nimmt man Ostdeutschland für sich‚ so belegt es mit fast 6% nichtehelich Geborener neben Island sogar eine europäische Spitzenposition. In Griechenland wurden dagegen nur 9% der Kinder außerehelich geboren. Die Gründe für diese Divergenzen finden sich unter anderem in den unterschiedlichen religiösen und gesellschaftlichen Normen‚ den Regelungen z.B. des Familien- und Steuerrechts‚ der Versorgung mit Betreuungseinrichtungen und dem jeweiligen Grad der Frauenerwerbstätigkeit.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 10/2018
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