Falschbehauptungen von Donald Trump

Falschbehauptungen von Donald Trump

Infografik Nr. 855256

Die Washington Post begann deshalb schon früh in der Präsidentschaft von Donald Trump, dessen Halbwahrheiten, Verdrehungen und „alternativen Fakten“ akribisch zu dokumentieren und in einer Datenbank zu sammeln.

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Dass Politiker es mit der Wahrheit oft nicht so genau nehmen, ist an sich nichts Neues. Politiker machen Wahlkampfversprechen, von denen sie wissen, dass sie sie nicht einlösen können; sie über- oder untertreiben, je nachdem, wie sie es für vorteilhaft halten; sie verdrehen Sachverhalte zu ihren Gunsten und geben ihnen einen eigenen „Spin“; manchmal sagen sie auch bewusst die glatte Unwahrheit. Die falschen oder irreführenden Aussagen des 45. US-Präsidenten aber erreichen eine vollkommen neue Dimension, sowohl in ihrer Quantität als auch in ihrer Qualität.

Die Washington Post begann deshalb schon früh in der Präsidentschaft von Donald Trump, dessen Halbwahrheiten, Verdrehungen und „alternativen Fakten“ akribisch zu dokumentieren und in einer Datenbank zu sammeln. Mit Stand vom 3. April 2020, nach 1 170 Tagen im Amt, machte Trump demnach 18000 falsche oder irreführende Behauptungen, im Schnitt also 15 pro Tag. Hochphasen gab es im Vorfeld der Halbzeitwahlen 2018 und im Nachgang der Veröffentlichung des Mueller-Berichts, der ihm zwar keine illegalen Absprachen mit Russland im Wahlkampf 2016 nachweisen konnte, ihn aber ausdrücklich nicht vom Vorwurf der Justizbehinderung entlastete. Einige Falschbehauptungen wiederholte Trump besonders oft. Zum Beispiel, dass die US-Wirtschaft unter seiner Regierung „die beste in der Weltgeschichte“ sei, oder dass bereits große Teile der von ihm versprochenen „Mauer“ an der Grenze zu Mexiko fertig seien. In der Datenbank der Washington Post war die Corona-Pandemie Anfang April 2020 noch nicht abgebildet, aber es zeichnet sich ab, dass sie die Zahl irreführender Aussagen noch weiter in die Höhe schießen lässt.

Für den politischen Journalismus stellen die Falschbehauptungen, die Trump täglich mit stupender Dreistigkeit von sich gibt, eine zuvor ungeahnte Herausforderung dar. Manche Nachrichtenmedien versuchen, seine Reden durch Live-Fact-Checking zu begleiten, was aber auf die Schnelle nur schwer umzusetzen ist. Manche verzichten darauf, Trumps Pressekonferenzen live zu übertragen. Aber Trump verbreitet seine Botschaften schon lange an den traditionellen Medien vorbei über Twitter. Und er hat ein mächtiges Netzwerk hinter sich, den Nachrichtensender Fox News, der oft genug Trumps Unwahrheiten verbreitet und seine offenkundigen Fehltritte unter den Teppich kehrt.

Eine Demokratie lebt von der Bereitschaft ihrer Mitglieder, auf der Grundlage von Tatsachen zu diskutieren und Entscheidungen zu treffen. Wird dieses Fundament von den Regierenden selbst durch Lügen und Halbwahrheiten unterminiert, besteht die Gefahr, dass das Vertrauen in ihre Institutionen verloren geht.

Reihe: 53
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Ausgabe: 06/2020
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