Jemen – Der vergessene Krieg

Jemen – Der vergessene Krieg

Infografik Nr. 873051

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Von der medialen Aufmerksamkeit allenfalls sporadisch erfasst, tobt im Jemen ein Bürgerkrieg, dessen Folgen die Vereinten Nationen als derzeit schlimmste humanitäre Krise der Welt bezeichnen. Die seit nunmehr sieben Jahren anhaltenden Kampfhandlungen haben die Wirtschaft des ohnehin bitterarmen Landes kollabieren lassen. Zusätzlich verschärfen Dürren und Überflutungen die Lage, ab 2020 kam die Corona-Pandemie hinzu. Seit dem Beginn des Krieges im März 2015 sind laut UN mehr als 230000 Zivilisten gestorben – mehr als 130 000 davon indirekt durch den Mangel an Nahrung, Gesundheitsdienstleistungen und lebenswichtiger Infrastruktur. Nach Schätzungen von UNICEF wurden mindestens 10 000 Kinder getötet oder verstümmelt. Zwei Drittel der rund 31 Millionen Einwohner bedürfen humanitärer Hilfe, und mehr als die Hälfte hat keinen gesicherten Zugang zu Lebensmitteln.

Der Ursachen des Krieges gehen zurück auf den „arabischen Frühling“ des Jahres 2011, als sich, wie in vielen anderen arabischen Ländern, auch im Jemen das Volk gegen die autokratische Regierung erhob. Die Revolte führte zur Absetzung des damaligen Präsidenten. Dessen Nachfolger Abed Rabbo Mansur Hadi gelang es jedoch nicht, die volle Kontrolle des Landes an sich zu reißen. Von Hadis Schwäche und allgemeiner Unbeliebtheit profitierten die Huthi, eine Bewegung der schiitischen Minderheit im mehrheitlich sunnitischen Jemen. Schon früher hatten die Huthi gegen die Zentralregierung rebelliert, und nun nutzten sie ihre Chance. Von ihrem Kerngebiet in der Provinz Saada aus rückten sie ab Anfang 2014 nach Süden vor. Im Februar 2015 eroberten sie die Hauptstadt Sanaa, Präsident Hadi floh daraufhin ins Ausland.

Das rief mehrere sunnitische Staaten der Region auf den Plan, die in den Huthi einen verlängerten Arm des ebenfalls schiitischen Iran sahen. Die von Saudi-Arabien angeführte Koalition begann im März 2015 eine Militäroffensive gegen die Huthi, mit dem Ziel, Hadi wieder als Regent zu installieren. Unterstützung erhielten sie dabei von den USA, Großbritannien und Frankreich. Spätestens jetzt wandten sich die Huthi tatsächlich an den Iran als Schutzmacht. So entwickelte sich der Konflikt zu einem Stellvertreterkrieg zwischen Riad und Teheran. Zwischen beiden Seiten pendelte sich ein blutiges Patt ein. Die saudische Koalition landete Truppen in der südlichen Hafenstadt Aden, konnte die Huthi aber nicht aus der Hauptstadt und den Gebieten im Nordwesten verdrängen. Stattdessen bombardiert sie die von den Huthi beherrschten Gebiete beharrlich aus der Luft und nimmt dabei tausende zivile Opfer in Kauf. Vom allgemeinen Chaos profitieren zudem Terrorgruppen. So hat Al-Qaida mehrere Gebiete unter ihre Kontrolle gebracht.

Ausgabe: 02/2022
Reihe: 53
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