China - Städte als Magnet

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Infografik Nr. 878460

Verstädterung in China

Der Prozess der Verstädterung (Urbanisierung) ist eine charakteristische Erscheinung wirtschaftlicher Modernisierung. Im 19. Jahrhundert wurde die Industr ...

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Verstädterung in China

Der Prozess der Verstädterung (Urbanisierung) ist eine charakteristische Erscheinung wirtschaftlicher Modernisierung. Im 19. Jahrhundert wurde die Industrialisierung in Europa von massiver Landflucht und Städtewachstum begleitet. Heute lässt sich der Urbanisierungsprozess vor allem in den Entwicklungs- und Schwellenländern beobachten. In China allerdings vollzog sich die Verstädterung in den letzten drei Jahrzehnten mit einer nie dagewesenen Geschwindigkeit. Die Urbanisierung war dabei gleichermaßen Folge und Motor des rapiden Wirtschaftswachstums, das sich mit der wirtschaftlichen Öffnung des Landes nach dem Tod Mao Zedongs (1976) einstellte. Noch Anfang der 1980er Jahre lag der Anteil der städtischen Bevölkerung bei weniger als einem Fünftel (19 %); Ende der 1990er Jahre erreichte er bereits ein Drittel, und 2010 wurde die Marke von 50 % überschritten. Im Jahr 2014 lebten von den insgesamt rund 1,4 Milliarden Einwohnern Chinas knapp 750 Millionen (55 %) in Städten.

Bei der Interpretation dieser Zahlen ist allerdings zu beachten, dass die Definition einer Stadt durch die amtliche Statistik Chinas über die Jahre mehrmals revidiert wurde. Außerdem schlägt die chinesische Statistik der eigentlichen Stadtbevölkerung oft noch die Bewohner umliegender ländlicher Gebiete hinzu, wenn diese von der Stadt aus verwaltet werden. Nach Schätzungen der UN, die auf der tatsächlichen Stadtbevölkerung basieren, gab es in China 2015 sechs Megastädte mit mehr als zehn Millionen Einwohnern: Neben der Hauptstadt Beijing und dem benachbarten Tjanjin verteilten sie sich auf die Ballungsgebiete an der Küste (Shanghai, Shenzhen, Guangzhou) und das mit ihr durch den Jangtse verbundene Hinterland (Chongqing). Zehn Großstädte hatten zwischen fünf und zehn Millionen Einwohner; weitere 89 Städte kamen auf mindestens eine Million. Die Sonderverwaltungszone Hongkong wird aus der Statistik für China in der Regel ausgegliedert, gehört mit über sieben Millionen Einwohnern aber ebenfalls zu den größten Städten des Landes.

Die sozialen Folgen der Urbanisierung sind widersprüchlich. Einerseits wuchs mit der Verstädterung in China das Pro-Kopf-Einkommen, der Lebensstandard vieler Chinesen verbesserte sich und es entstand eine urbane Mittelschicht. Andererseits vergrößerte sich aber auch die Ungleichheit in der Bevölkerung. In den Städten wachsen die Probleme der Unterbringung und der Versorgung; nahezu 300 Mio Wanderarbeiter kämpfen dort vielfach benachteiligt und diskriminiert um das tägliche Überleben. Zudem führte die rasante Urbanisierung zu Umweltproblemen, darunter vor allem die immense Luftverschmutzung in den meisten chinesischen Städten. An deren Folgen sterben jedes Jahr schätzungsweise 350000 Menschen.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 10/2015
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