China und Taiwan

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Infografik Nr. 878555

Kulturell und politisch sind China und Taiwan seit dem 17. Jahrhundert verbunden. Die Einverleibung Taiwans in das chinesische Reich erfolgte 1683. 1895 wurde China von Japan nach einer Kriegsniederlage zur Abgabe Taiwans gezwungen, doch nach Japans Kapitulation im Zweiten Weltkrieg fiel die Insel 1945 an China zurück. Im dortigen Bürgerkrieg setzten sich die unterlegenen Nationalisten nach Taiwan ab.

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Kulturell und politisch sind China und Taiwan seit dem 17. Jahrhundert verbunden. Ab etwa 1600 begannen Han-Chinesen vom Festland auf die Insel auszuwandern – bis heute stellen Han-Chinesen die große Mehrheit der Bevölkerung Taiwans. Die Einverleibung in das chinesische Reich folgte 1683, als die Mandschu-Dynastie Taiwan eroberte. 1895 wurde China von Japan nach einer Kriegsniederlage zur Abgabe Taiwans gezwungen, aber nach Japans Kapitulation im Zweiten Weltkrieg fiel die Insel 1945 an China zurück. Im dortigen Bürgerkrieg setzten sich die Kommunisten um Mao Zedong durch, der 1949 in Peking die Volksrepublik China ausrief. Die unterlegenen Nationalisten der „Kuomintang“ unter Chiang Kai-shek flohen nach Taiwan, wo sie die seit 1912 bestehende Republik China fortführten. Das war der Beginn des bis heute ungelösten Konflikts: Jede Seite reklamierte fortan für sich, die rechtmäßige Regierung ganz Chinas zu sein und folglich Anspruch auf das Territorium des jeweils anderen zu haben.

Aus der Position Chinas ist Taiwan eine abtrünnige Provinz. International hat sich China – im Vergleich zu Taiwan der weitaus gewichtigere Akteur – in vielerlei Hinsicht durchgesetzt. Heute erkennen kaum mehr als ein Dutzend kleiner Staaten Taiwan diplomatisch an. Seine Sitze in der UN-Generalversammlung und dem UN-Sicherheitsrat verlor Nationalchina (Taiwan) schon 1971 an die Volksrepublik China. In den 1980er Jahren formulierte China das Prinzip „ein Land, zwei Systeme“: Als Bestandteil Chinas könnte Taiwan also sein politisches System beibehalten (wie im Fall von Hongkong). Mit Taiwans Kuomintang-Regierung einigte sich Peking 1992 auf das „Ein-China-Prinzip“: Beide Seiten erkannten darin die Unteilbarkeit Chinas an und blieben nur in der Frage der Regierung uneins. Seit Taiwans Demokratisierung ab 1987 sind die Positionen in Taiwan aber nicht mehr einheitlich. Die Kuomintang hält am Ein-China-Prinzip fest, die Demokratische Fortschrittspartei, die 2000 erstmals das Präsidentenamt gewann, fordert hingegen Taiwans Unabhängigkeit. Darauf reagierte Peking 2005 mit einem „Anti-Sezessions-Gesetz“: China behält sich darin „nicht-friedliche Mittel“ vor, um Taiwan an einer „Abspaltung“ zu hindern. Ein gewaltsamer Konflikt dürfte angesichts der engen wirtschaftlichen Verflechtung zwischen China und Taiwan aber für keine Seite von Interesse sein.

Seine äußere Sicherheit verdankt Taiwan vor allem den USA. In dem Konflikt verfolgt Washington eine Politik der „strategischen Doppeldeutigkeit“: Taiwan wird zwar mit Rücksicht auf China diplomatisch nicht als Staat anerkannt, seit dem Taiwan Relations Act von 1979 sind die USA aber faktisch die Schutzmacht Taiwans, das als demokratischer Verbündeter in der Region zur Eindämmung des Rivalen China dient.

Reihe: 53
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Ausgabe: 05/2019
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