Konfliktregion Kaschmir

Konfliktregion Kaschmir

Infografik Nr. 874905

Das zum größeren Teil von Muslimen bewohnte, aber von einem Hindu regierte Fürstentum Dschammu und Kaschmir wurde 1947 von muslimischen Rebellen angegriffen und rief Indien um Hilfe an. Als Gegenleistung trat es dem indischen Staatsverband bei. Indischen Truppen gelang es, zwei Drittel des Gebiets zu erobern. Der unentschiedene Krieg mündete in ein von der UNO vorgeschlagenes Waffenstillstands-abkommen zwischen Indien und Pakistan und die Vereinbarung einer Waffenstillstandslinie (Juli 1949).

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Der Konflikt um die Region Kaschmir im westlichen Himalaya reicht in die Zeit der britischen Kolonialherrschaft in Indien zurück. Er hat seinen Grund in den starken Spannungen zwischen Hindus und Moslems, die auch dazu führten, dass die ehemalige Kolonie mit ihrer Unabhängigkeit am 15. August 1947 in zwei Staaten aufgespalten wurde – das mehrheitlich von Hindus bevölkerte Indien und das überwiegend muslimische Pakistan. Unmittelbare Folgen der politischen Teilung waren eine Massenflucht von Millionen Menschen ins jeweils andere Land und eine Welle ethnisch-religiös motivierter Massaker auf beiden Seiten (1947/48).

Das zum größeren Teil von Muslimen bewohnte, aber von einem Hindu regierte Fürstentum Dschammu und Kaschmir wurde 1947 von muslimischen Rebellen angegriffen und rief Indien um Hilfe an. Als Gegenleistung trat es dem indischen Staatsverband bei. Indischen Truppen gelang es, zwei Drittel des Gebiets zu erobern. Der unentschiedene Krieg mündete in ein von der UNO vorgeschlagenes Waffenstillstands-abkommen zwischen Indien und Pakistan und die Vereinbarung einer Waffenstillstandslinie (Juli 1949). Verhandlungen über einen beiderseitigen Truppenrückzug und eine Volksabstimmung über den künftigen Status des Gebiets blieben in der Folge ergebnislos. 1965 lösten Angriffe muslimischer Rebellen den zweiten Kaschmirkrieg aus. Zu einer weiteren Verschlechterung der Beziehungen zwischen beiden Staaten kam es 1971, als Indien zugunsten der Aufständischen in Ostpakistan (das dann als Bangladesch unabhängig wurde) in den pakistanischen Bürgerkrieg eingriff. In den Folgeverhandlungen verständigten sich beide Seiten in Shimla 1972 u.a. auf die Anerkennung des faktischen Grenzverlaufs in Kaschmir, ohne damit jedoch ihren jeweiligen Anspruch auf das gesamte Territorium aufzugeben. 

Der immer wieder aufbrechende Kleinkrieg um Kaschmir spitzte sich 1989 und 1999 -2002 gefährlich zu. Eine größere militärische Auseinandersetzung zwischen Indien und Pakistan war nicht ausgeschlossen. Auch so verloren in dem Konflikt seit 1947 schätzungsweise 70 000 Menschen ihr Leben. Eine noch nicht absehbare Entwicklung löste ein Terroranschlag auf indische Kräfte in Kaschmir im Februar 2019 aus. Am 5. August 2019 hob die hindu-nationalistische Regierung Indiens den verfassungsmäßigen Sonderstatus und damit die weitgehende Autonomie Kaschmirs auf. Sie verstärkte die militärische Präsenz in dem Gebiet und zugleich die Kontrolle über die muslimische Bevölkerungsmehrheit. Als neues Unionsterritorium ohne eigenes Parlament wurde Ladakh von Dschammu und Kaschmir abgetrennt.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 09/2019
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