Myanmar

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Infografik Nr. 875200

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Der historische Kern Myanmars liegt in der fruchtbaren Tiefebene des Irrawaddy-Flusses, wo seit dem elften Jahrhundert buddhistische Königreiche existierten. Deren Träger war die Volksgruppe der Bamar, von denen sich der Landesname „Bama“ – oder je nach Dialekt auch „Myanma“ – ableitet. Das im Englischen „Burma“ geschriebene Königreich wurde 1886 von Großbritannien nach mehreren Kriegen dem britischen Kolonialimperium einverleibt. Nach seiner Unabhängigkeit im Jahr 1948 war Burma zunächst eine parlamentarische Demokratie, die aber schon 1962 in einem Militärputsch endete. Fortan war das Land, das 1989 seinen heutigen Namen „Union of Myanmar“ erhielt, eine Militärdiktatur. Erst ab 2003 leiteten die herrschenden Generäle eine vorsichtige Demokratisierung ein. 2008 legten sie eine neue Verfassung vor, die Myanmar erneut als parlamentarische Demokratie definierte, dem Militär aber eine Sperrminorität im Parlament vorbehielt. 2011 trat diese Verfassung in Kraft. Es handelte sich indes um eine „gelenkte“ Demokratie unter der Kuratel des Militärs. Zwar wurden 2015 weitgehend freie Wahlen abgehalten, in denen die von Aung San Suu Kyi angeführte Partei NLD genug Parlamentssitze gewann, um eine Regierung zu bilden. Als aber bei den folgenden Wahlen im Jahr 2020 die NLD zum wiederholten Male einen klaren Sieg über die Kandidaten des Militärs errang, erklärte die Armee das Ergebnis für gefälscht und putschte sich erneut an die Macht. Regierungschefin Aung wurde unter fadenscheinigen Gründen inhaftiert.

Neben dem Großkonflikt zwischen Militär und Demokratie ist das Land auch entlang ethnischer Konfliktlinien zerrissen. Denn politische Einheiten werden in Myanmar vorwiegend ethnisch definiert. So leben die Bamar, die zwei Drittel der Bevölkerung Myanmars stellen, in sogenannten „divisions“ im dichtbesiedelten Irrawaddy-Tal. Die „Staaten“ in den dünnbesiedelten Bergregionen an der Peripherie wiederum sind nach Ethnien benannt – obwohl deren Siedlungsgebiete nicht deckungsgleich mit den Staatsgrenzen sind und es noch zahllose kleinere Ethnien gibt. Hervorzuheben sind im Osten die Shan (etwa 9 % der Bevölkerung) und die Karen (7 %) sowie im Westen die Rakhine (4 %). Fast alle ethnischen Gruppen unterhalten bewaffnete Einheiten, viele kämpfen für mehr Autonomie. Besonders brisant sind derzeit die Spannungen zwischen den muslimischen Rohingya und der buddhistischen Bevölkerungsmehrheit im Rakhine-Staat. Die Rohingya werden in Myanmar nicht als Staatsbürger anerkannt und gelten als „Eindringlinge“, die in der Kolonialzeit „illegal“ aus dem heutigen Bangladesch zugewandert seien. Seit 2012 wurden hunderttausende Rohingya gewaltsam vertrieben, was massive Flüchtlingsströme in die Nachbarländer auslöste, vor allem nach Bangladesch.

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