Indien und China – Grenzkonflikte

Indien und China – Grenzkonflikte

Infografik Nr. 874915

Ungelöste territoriale Konflikte zwischen Indien und China schwelen seit Jahrzehnten. Um welche Gebiete es hierbei geht, zeigt das ZAHLENBILD.

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Unter den aufstrebenden Schwellenländern der Welt ragen Indien und China als demografische Riesen und regionale Großmächte mit jahrtausendealter Geschichte und Kultur heraus. Während sich das wirtschaftliche und politische Gewicht weg von den USA und Europa verlagert, sehen manche Beobachter in Indien und vor allem China die Weltmächte der Zukunft. Bereits jetzt stellen die beiden asiatischen Riesen jeweils fast ein Fünftel der Erdbevölkerung. Noch liegt China mit 1,44 Mrd Einwohnern knapp vor Indien (1,39 Mrd), aber Indiens Bevölkerung wächst schneller und wird China voraussichtlich bis 2027 überholt haben. Wirtschaftlich dagegen hat China einen gewaltigen und auf absehbare Zeit uneinholbaren Vorsprung: Bei etwa gleicher Bevölkerungsstärke erbringt es die fünffache Wirtschaftsleistung von Indien: im Jahr 2019 rund 14 300 Mrd $ gegenüber 2 900 Mrd $. Und während in Indien immer noch über ein Zehntel der Bevölkerung in extremer Armut lebt, liegt diese Quote in China unter 1 Prozent.

Die Beziehungen zwischen Indien und China sind von Rivalität und Misstrauen geprägt. Entlang der gemeinsamen Grenze auf den Bergketten des Himalayas bestehen mehrere ungelöste Grenzkonflikte. Am westlichen Ende der Grenze beansprucht Indien die Gebirgsregion Aksai Chin, die seit 1950 chinesisch besetzt ist. Dort hat China schon in den 1950er Jahren eine Fernstraße gebaut, die Xinjiang mit Tibet verbindet. Aufgrund der strategischen Bedeutung dieser Verbindung hat China keinerlei Anreiz, das Gebiet herzugeben. Die anderen Gebietsstreitigkeiten im Westen sind mit dem Kaschmir-Konflikt zwischen Indien und Pakistan verknüpft. China unterstützt dabei Pakistan, um Indien zu schwächen. Im Zuge dieses Bündnisses hat Pakistan einen Streifen nördlich des Siachen-Gletschers an China abgetreten. Indien wiederum verteidigt die Gebietsforderungen Bhutans gegenüber China; Delhi sieht sich als Schutzmacht des kleinen Königreichs, das auch einen territorialen Puffer zur Volksrepublik bildet. Am östlichen Ende der Grenze, an der sogenannten „McMahon-Linie“, erhebt China Anspruch auf den Großteil des indischen Bundesstaates Arunachal Pradesh. Auf die McMahon-Linie entlang der Wasserscheide auf den Gebirgskämmen hatte sich 1914 die britische Kolonialmacht mit Tibet verständigt – gegen den Willen Chinas.

Die Spannungen an der Grenze eskalierten schon 1962 in einem kurzen Krieg, der aber ohne größere territoriale Veränderungen blieb. Zwar hatte China einen Großteil von Arunachal Pradesh besetzt, sich dann aber freiwillig wieder auf die McMahon-Linie zurückgezogen. Doch bis heute kommt es an der langen Grenze immer wieder zu Zusammenstößen zwischen indischen und chinesischen Soldaten.

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