Ukraine-Flüchtlinge in der EU
Infografik Nr. 708078
Durch den russischen Krieg gegen die Ukraine wurden Millionen Menschen in die Flucht getrieben. Um ihre Aufnahme zu erleichtern, führte die EU einen "vorübergehenden Schutz" für Ukraine-Flüchtlinge ein. Welche EU-Länder haben die meisten Flüchtlinge aufgenommen? Ein Vergleich der absoluten Zahlen und der Flüchtlingsquoten je 1000 Einwohner!
Der im Februar 2022 begonnene russische Angriffskrieg gegen die Ukraine riss Millionen Menschen aus ihrer gewohnten Umgebung und zwang sie zur Flucht. Nach Zahlen des UN-Flüchtlingswerks UNHCR gab es im Februar 2026 rund 3,7 Millionen Binnenflüchtlinge innerhalb der Ukraine und 5,9 Millionen Flüchtlinge in anderen Staaten rund um die Welt. Die meisten dieser Flüchtlinge fanden Aufnahme in den Ländern der Europäischen Union. Bereits am 4. März 2022 hatte der Europäische Rat als Notfallmaßnahme einen vorübergehenden Schutz für Menschen eingeführt, die wegen des Kriegs aus der Ukraine fliehen mussten. Unter diesem Schutzstatus erhielten Flüchtlinge ohne langwieriges Asylverfahren sofort ein vorläufiges Bleiberecht, eine Arbeitserlaubnis, Sozialleistungen und medizinische Versorgung. Der temporäre Schutz wurde vorerst bis zum 4.3.2027 verlängert. Über die anschließende Regelung des Aufenthaltsrechts entscheidet jedes EU-Land für sich. Ende Januar 2026 lebten 4,38 Millionen Ukraine-Flüchtlinge unter temporärem Schutz in der EU. Über die gesamte Dauer des Krieges hatten bis dahin etwa 6,9 Mio Flüchtlinge diesen Schutz in Anspruch genommen.
Die Geflüchteten verteilten sich sehr ungleich auf die verschiedenen EU-Mitgliedstaaten. Erster Anlaufpunkt nach Kriegsausbruch war das Nachbarland Polen, in dem schon viele ukrainische Arbeitsmigranten tätig waren. Dann kam Deutschland als wichtiges Zielland hinzu, ehe sich die Flüchtlingszuwanderung breiter auffächerte. Ende Januar 2026 hatte Deutschland mit 1,26 Mio Geflüchteten die meisten Menschen aus der Ukraine aufgenommen; das entsprach fast 29% der EU-Gesamtzahl. An zweiter Stelle folgte Polen (966000) vor Tschechien (397000), Spanien (258000) und Rumänien (204000). Für die Wahl des Ziellandes dürften außer der Entfernung von der Ukraine bestehende kulturelle Gemeinsamkeiten, Beziehungen zu dort bereits lebenden Landsleuten und der Grad sozialer Unterstützung eine Rolle spielen.
Die absoluten Zahlen verdecken, dass Länder mit kleineren Bevölkerungen durch die Aufnahme der Flüchtlinge oft viel stärker herausgefordert sind als die großen Zielländer. Ende Januar 2026 lebten im Durchschnitt 9,7 Menschen je 1000 Einwohner mit temporärem Schutz in der EU. Am höchsten war die Quote der Ukraine-Flüchtlinge in Tschechien (36,4 je 1000 Einwohner) sowie in Polen (26,5) und der Slowakei (25,9), die beide direkt an die Ukraine angrenzen. Schon deutlich geringer war die betreffende Ziffer in Deutschland (15,1 je 1000 Einwohner), ausgesprochen niedrig in Italien (1,1) und Frankreich (0,8). In diesen beiden Ländern waren unbegleitete Minderjährige allerdings nicht in den Zahlen enthalten.
| Ausgabe: | 04/2026 |
| Produktformat: | eps-Version, Komplette Online-Ausgabe als PDF-Datei. |
| Reihe: | 53 |
| Reihentitel: | Zahlenbilder |