Asylanträge in der EU

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Die Entwicklung der Asylanträge in der EU wird in hohem Maße von den in der Welt und vor allem in der regionalen Umgebung Europas aufflammenden Konflikten beeinflusst. Um die Jahrtausendwende wurden in den Ländern der heutigen EU jährlich über 400 000 Asylbewerber registriert, bis 2003 ein Rückgang einsetzte; in der Folgezeit schwankte die Zahl der Asylanträge um etwa 250 000 pro Jahr.

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Die Entwicklung der Asylanträge in der EU wird in hohem Maße von den in der Welt und vor allem in der regionalen Umgebung Europas aufflammenden Konflikten beeinflusst. So führten die Kriege im zerfallenden Jugoslawien in den 1990er Jahren zu einem Flüchtlingsstrom in die EU-Länder und einer steilen Zunahme der Asylanträge. Um die Jahrtausendwende wurden in den Ländern der heutigen EU jährlich über 400 000 Asylbewerber registriert, bis 2003 ein Rückgang einsetzte; in der Folgezeit schwankte die Zahl der Asylanträge um etwa 250 000 pro Jahr.

Ein neuerlicher Anstieg begann ab 2011 in der Folge des Bürgerkriegs in Syrien. Als dort die Kämpfe heftiger wurden und sich gleichzeitig die Lage der syrischen Flüchtlinge in den Nachbarländern verschlechterte, drängten ab dem Spätsommer 2015 Hunderttausende nach Europa. Vor allem dadurch stieg die Zahl der Erstanträge auf Asyl in der EU 2015 auf den Rekordwert von 1 255 640. Die hieraus entstandene „Flüchtlingskrise“ war eigentlich eine Krise der EU, denn der plötzliche Andrang von Zuwanderern stellte den Staatenbund vor eine Zerreißprobe. Gegen einen gesamteuropäischen Lastenausgleich durch feste Aufnahmequoten für einzelne EU-Länder sperrten sich vor allem die osteuropäischen Staaten. Mehrere Staaten reagierten mit der Verschärfung ihrer Asylgesetze (darunter auch Deutschland). Während sich Deutschland für eine europäische Lösung einsetzte – mit einem gemeinsamen Schutz der Außengrenzen bei weiterhin offenen Grenzen innerhalb der EU – schlossen mehrere Balkanländer einseitig ihre nationalen Grenzen (Ungarn, Slowenien, Kroatien, Serbien und Mazedonien). Die Balkanroute, der wichtigste Landweg für Flüchtlinge aus dem Nahen Osten, war damit weitgehend blockiert.

Die Schließung der Balkanroute ist einer der Gründe, warum nach 2015 ein Rückgang der Asylanträge zu beobachten war. Ein anderer das EU-Türkei-Abkommen zur Rücknahme von Flüchtlingen vom März 2016. 2018 sank die Zahl der Asyl-Erstbewerber auf 581 775. Als Herkunftsland stand weiterhin Syrien mit rund 81 920 Erstanträgen (14 %) an der Spitze. Es folgten Afghanistan mit 41 990 (7 %) und Irak mit 39 595 Anträgen (7 %). Unter den Zielländern der Asylbewerber lag auch 2018 Deutschland vorn: Über ein Viertel aller Asylanträge (161 885) entfielen auf die Bundesrepublik. An zweiter Stelle stand Frankreich (110 485). Ein anderes Bild ergibt sich, wenn man die Anträge im Verhältnis zur Bevölkerungszahl betrachtet: Dann belegte Zypern mit 8,8 Anträgen je 1 000 Einwohner den Spitzenplatz, gefolgt von Malta (6,1) und Griechenland (4,3). Deutschland lag mit einer Quote von 2,0 im Mittelfeld.

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Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 04/2019
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