Der Bürgerkrieg in Syrien

Der Bürgerkrieg in Syrien

Infografik Nr. 872801

Eine Lösung des Konfliktes scheint nicht in Sicht. Zu verhärtet sind die Fronten, zu zahlreich die Akteure, zu gegenläufig die Interessen. Das Assad-Regime konnte mit der Hilfe Irans und vor allem Russlands weite Teile des Landes zurückerobern. Im Nordosten rückten die vom Westen unterstützten Kurden vor. Im Zuge dieser Eroberungen verlor die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ sämtliche von ihr kontrollierten Gebiete. Im Norden nahe der Grenze zur Türkei halten noch einige „moderate“ Rebellen die Stellung.

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Die Massenproteste, die Anfang des Jahres 2011 nahezu alle Staaten der arabischen Welt erfasst und in Tunesien, Ägypten, Libyen und Jemen zum Umsturz langjähriger Autokraten geführt hatten, wurden von optimistischen Beobachtern zum „arabischen Frühling“ erklärt. Doch auf Hoffnung folgte schon bald Ernüchterung. Nur Tunesien beschritt relativ erfolgreich den Weg in die Demokratie; in Ägypten dagegen putschte sich das Militär zurück an die Macht, Libyen zerfiel in zwei verfeindete Regierungen, und auch der Jemen zerbrach entlang konfessioneller, stammesmäßiger und sozialer Konfliktlinien. Am schlimmsten jedoch traf es Syrien, wo Präsident Baschar al-Assad bis dahin einen Weg der wirtschaftlichen Modernisierung und einer – wenn auch sehr zögerlichen – politischen Reform beschritten hatte. Auf die sich ausweitenden Proteste im Land reagierte er jedoch nicht mit politischen Zugeständnissen (wie die Könige Marokkos und Jordaniens), sondern setzte von Anfang an auf tödliche Gewalt gegen das eigene Volk. So entwickelte sich aus Protest und Repression ein mit äußerster Brutalität geführter Bürgerkrieg.

Der Krieg ließ das Land buchstäblich ausbluten: Bis Ende 2018, in sieben Jahren Krieg, wurden nach Schätzungen der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte über 570 000 Menschen getötet. Die Bevölkerung schrumpfte von mehr als 21 Millionen vor Beginn des Bürgerkriegs auf schätzungsweise 17 Millionen (2018). Große Teile der Bevölkerung sind auf der Flucht: In Syrien selbst sind es allein 6,2 Millionen Menschen, in den Nachbarländern leben weitere 5,6 Millionen syrische Flüchtlinge. Vor allem für kleine Länder wie den Libanon bedeutet das eine enorme wirtschaftliche und gesellschaftliche Belastung. Nach Europa ist dagegen nur ein Teil der Flüchtlinge aufgebrochen; von 2011 bis 2018 zählten die dortigen Behörden etwas über eine Million Asylanträge mit dem Herkunftsland Syrien.

Eine Lösung des Konfliktes scheint nicht in Sicht. Zu verhärtet sind die Fronten, zu zahlreich die Akteure, zu gegenläufig die Interessen. Das Assad-Regime konnte mit der Hilfe Irans und vor allem Russlands weite Teile des Landes zurückerobern. Im Nordosten rückten die vom Westen unterstützten Kurden vor. Im Zuge dieser Eroberungen verlor die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ sämtliche von ihr kontrollierten Gebiete. Im Norden nahe der Grenze zur Türkei halten noch einige „moderate“ Rebellen die Stellung. Sie werden vom Westen und von der Türkei unterstützt. Die Türkei fürchtet aber vor allem ein Erstarken der syrischen Kurden. Nach dem Rückzug amerikanischer Truppen startete die Türkei im Oktober 2019 eine Militäroffensive in Nordsyrien, um eine Pufferzone entlang der türkisch-syrischen Grenze zu errichten.

Reihe: 53
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Ausgabe: 11/2019
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