Chinas "Neue Seidenstraße"

Chinas "Neue Seidenstraße"
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Infografik Nr. 878541

Die sogenannte Seidenstraßen-Initiative, mit der Peking ein riesiges, ganz auf das „Reich der Mitte“ zentriertes Verkehrsnetz aufbauen will, dokumentiert eindrucksvoll die globale Reichweite der chinesischen Geostrategie. Kern der erstmals im Herbst 2013 von Präsident Xi Jinping vorgestellten „Belt and Road Initiative“ sind zwei Wirtschaftsrouten, die ganz Eurasien umspannen und historischen Handelswegen zwischen China und Europa folgen

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Die sogenannte Seidenstraßen-Initiative, mit der Peking ein riesiges, ganz auf das „Reich der Mitte“ zentriertes Verkehrsnetz aufbauen will, dokumentiert eindrucksvoll die globale Reichweite der chinesischen Geostrategie. Kern der erstmals im Herbst 2013 von Präsident Xi Jinping vorgestellten „Belt and Road Initiative“ sind zwei Wirtschaftsrouten, die ganz Eurasien umspannen und historischen Handelswegen zwischen China und Europa folgen: • Der „Seidenstraßen-Wirtschaftsgürtel“ von der alten Kaiserstadt Xi’an bis nach Westeuropa verläuft entlang der historischen Seidenstraße. Flankiert werden soll der Gürtel von sechs Wirtschaftskorridoren, die China mit Russland, Indochina und Südasien, mit dem Indischen Ozean, dem Persischen Golf und der Mittelmeerküste verbinden. • Die „maritime Seidenstraße des 21. Jahrhunderts“ beginnt im südchinesischen Meer, verläuft über den Indischen Ozean, bezieht dabei die Küste Ostafrikas mit ein und endet, nachdem sie den Sues-Kanal passiert hat, im Mittelmeer.

Entlang der beiden Großrouten will China massiv in Häfen, Eisenbahnstrecken, Öl- und Gaspipelines investieren. Das Seidenstraßen-Projekt ist als Gemeinschaftsaufgabe gedacht: Grundsätzlich sind alle Staaten zur Beteiligung eingeladen, vor allem natürlich die Anrainer, denen China wirtschaftliche Entwicklung, kulturellen Austausch und Stabilität durch friedliche Kooperation verspricht. China verfolgt dabei nicht nur wirtschaftliche Interessen (wie die Öffnung der Märkte, den Ausbau von Handelsrouten, die Energieversorgung usw.), es geht auch um Sicherheit. So kann der unruhige Westen Chinas (Xinjiang) mit der neuen Infrastruktur stärker eingebunden werden. Auch der Ausbau von Handelsrouten hat eine sicherheitspolitische Dimension, denn sie sollen künftig militärisch abgesichert werden. 2013 hat Peking erstmals Auslandseinsätze der Volksarmee erlaubt. Die erste Militärbasis im Ausland wurde 2017 in Dschibuti eröffnet, nahe der strategisch wichtigen Meerenge Bab el-Mandab an der „maritimen Seidenstraße“.

China will mit seiner Initiative also generell seinen Einfluss in der Welt ausbauen. Dazu passen die ständig wachsenden Ausmaße des Seidenstraßen-Projekts. So hat China Anfang 2018 eine weitere Route ins Spiel gebracht: Die „polare Seidenstraße“ soll China über die Arktis mit Europa verbinden. Außerdem hat Peking signalisiert, die Seidenstraßen-Initiative bis nach Lateinamerika ausweiten zu wollen. Die immer gewaltigeren Dimensionen überstrapazieren zusehends die finanziellen Ressourcen – nicht nur Chinas, sondern auch der beteiligten Länder. Peking will die Pläne daher grundlegend überprüfen und gegebenenfalls zurückschrauben. Das Seidenstraßen-Projekt an sich steht aber nicht in Frage.

Reihe: 53
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Ausgabe: 08/2018
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