Wahlen in Italien

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Nach dem Ende des Faschismus entwickelten sich in Italien zunächst zwei entgegengesetzte politische Blöcke: Auf der einen Seite standen die Christdemokraten der Democrazia Cristiana (DC), eine klassenübergreifende Partei mit katholischer und liberaler Ausrichtung, die Italien zur Demokratie nach westlichem Muster machen wollte.

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Nach dem Ende des Faschismus entwickelten sich in Italien zunächst zwei entgegengesetzte politische Blöcke: Auf der einen Seite standen die Christdemokraten der Democrazia Cristiana (DC), eine klassenübergreifende Partei mit katholischer und liberaler Ausrichtung, die Italien zur Demokratie nach westlichem Muster machen wollte. Auf der anderen Seite standen die Sozialisten des Partito Socialista Italiano (PSI) und die Kommunisten des Partito Comunista Italiano (PCI), die einen sozialistischen Staat nach dem Vorbild der Sowjetunion anstrebten. So wurden die Parlamentswahlen des Jahres 1948 für Italien zur „Schicksalswahl“. Die DC gewann dabei die absolute Mehrheit; ihr erster Ministerpräsident Alcide De Gasperi führte Italien in das westliche Bündnis. Fast fünfzig Jahre lang blieben die Christdemokraten an der Regierung, wenn auch in schnell wechselnden Koalitionen. In den 1960ern öffneten sie sich gegenüber den Linksparteien, während die Sozialisten zu Moskau auf Abstand gingen; der PSI war danach regelmäßig an Regierungen beteiligt. Der PCI dagegen – in Westeuropa die stärkste kommunistische Partei – blieb außerhalb des Systems. Die von Ministerpräsident Aldo Moro in den 1970er Jahren betriebene Annäherung an die Kommunisten brach ab, als er 1978 durch die linksterroristischen Brigate Rosse ermordet wurde.

Anfang der 1990er Jahre endete die „Erste“ Republik mit dem Zerfall der traditionellen Parteien. Die kommunistische Partei war durch den Zerfall des Ostblocks und der Sowjetunion in eine Identitätskrise geraten, passte sich aber den neuen Gegebenheiten an: Aus dem PCI ging der sozialdemokratische Partito Democratico della Sinistra (PDS) hervor; nur ein kleiner Teil hielt am Kommunismus fest und gründete sich als Partito della Rifondazione Comunista (PRC) neu. Dagegen verschwanden die „permanente Regierungspartei“ DC und ihr Juniorpartner PSI in der Bedeutungslosigkeit: Nach einem weitreichenden Korruptionsskandal stürzten sie bei den Parlamentswahlen 1994 auf nur noch 11 % (DC) und 2 % (PSI) ab. Das so entstandene Vakuum in der politischen Mitte füllten neue Parteien: Die erst im Januar 1994 gegründete Mitte-Rechts-Partei Forza Italia (FI) des Bau- und Medienunternehmers Silvio Berlusconi holte auf Anhieb über 20 % der Stimmen. Sie bildete ein Wahlbündnis mit der Alleanza Nazionale (AN), die gerade dabei war, sich von einer neofaschistischen in eine demokratische Rechtspartei umzuwandeln. Zum Rechtsbündnis gehörte außerdem die 1984 gegründete Lega Nord (LN), die damals noch die Abspaltung des wirtschaftsstarken Nordens von Italien anstrebte. Zusammen mit weiteren kleineren Parteien kam das Rechtsbündnis auf 46 %. Das Linksbündnis mit dem PDS als stärkster Partei war mit 34 % klar unterlegen.

 

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Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 07/2018
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