Studierende an den deutschen Hochschulen

Studierende an den deutschen Hochschulen

Infografik Nr. 506010

Die Studierendenzahl wird nicht nur von demografischen Faktoren und von der Quote der Studierenden eines Jahrgangs bestimmt, sondern auch von bildungspolitischen und hochschulorganisatorischen Entscheidungen wie der Vorverlegung des Abiturs und der Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge. Einen längerfristigen Einfluss hat außerdem die gestiegene Bildungsbeteiligung.

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Mit dem Übergang von der Universität klassischen Zuschnitts zur modernen Massenuniversität stieg die Zahl der Studierenden in der Bundesrepublik Deutschland seit den 1960er Jahren sprunghaft an. Im Winter 1960/61 waren erst rund 291 000 junge Leute an den Hochschulen eingeschrieben; zehn Jahre später, nach dem Einstieg in die Bildungs- und Hochschulreform, schon mehr als 510 000. In den 1970er Jahren verdoppelte sich diese Zahl auf gut 1 Mio (1980/81) und auch im folgenden Jahrzehnt setzte sich der Zustrom zu den Hochschulen fort, so dass die westdeutschen Universitäten und Fachhochschulen 1989/90 bereits 1,5 Mio Studierende zählten. Ursachen des Studierendenbooms waren u.a. der wachsende Bedarf an akademisch ausgebildeten Arbeitskräften, die zunehmende Studienbereitschaft der Schulabgänger, die Öffnung der Hochschulen für früher benachteiligte Gruppen der Gesellschaft, die Gründung neuer Hochschulen und – in den 1980er Jahren – der Eintritt geburtenstarker Jahrgänge ins studierfähige Alter.

Da die finanzielle und personelle Ausstattung der Hochschulen mit diesem Andrang aber nicht Schritt hielt und alle Ansätze einer wirksamen Hochschulreform auf der Strecke blieben, stieß das akademische Bildungssystem immer häufiger an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit. Gleichwohl bewegte sich auch die Neuordnung des Hochschulwesens in den neuen Ländern nach 1990 weitgehend innerhalb des im Westen vorgezeichneten Rahmens. War der Hochschulzugang in der DDR begrenzt – die Zahl der Studierenden (ohne Fachschulen) schwankte zuletzt um 130 000 –, so machten die ostdeutschen Abiturienten verstärkt von den sich nun bietenden Chancen eines Studiums Gebrauch. Bundesweit gab es daher 1993/94 schon fast 1,9 Mio Studierende. Ab Mitte der 1990er Jahre ging der Hochschulbesuch für einige Jahre zurück, weil nun geburtenschwächere Jahrgänge nachwuchsen. Mit steigender Studienbeteiligung nahm die Gesamtzahl der Studierenden ab 2000 aber wieder zu. 2011 begannen erstmals mehr als 50 % eines Jahrgangs ein Studium. 2018/19 waren rund 2,9 Mio Studierende eingeschrieben.

Die Studierendenzahl wird nicht nur von demografischen Faktoren und von der Quote der Studierenden eines Jahrgangs bestimmt, sondern auch von bildungspolitischen und hochschulorganisatorischen Entscheidungen wie der Vorverlegung des Abiturs und der Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge. Einen längerfristigen Einfluss hat außerdem die gestiegene Bildungsbeteiligung. Daher ist auch in den kommenden Jahren mit einer steigenden Studierendenzahl zu rechnen, ehe sie aufgrund der demografischen Entwicklung mit schwächeren Geburtenjahrgängen langsam zurückgehen wird.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 04/2019
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