Der Nordirland-Konflikt

Der Nordirland-Konflikt

Infografik Nr. 789350

Der Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten in Nordirland wirkt wie aus der Zeit gefallen und scheint so gar nicht in das moderne, säkular geprägte Europa zu passen. Doch um Religion geht es beim Nordirlandkonflikt nur vordergründig. Seine Wurzeln liegen vielmehr in politischen Gegensätzen, bei denen Protestantismus und Katholizismus nur identitätsstiftende Bezugspunkte bilden.

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Der Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten in Nordirland wirkt wie aus der Zeit gefallen und scheint so gar nicht in das moderne, säkular geprägte Europa zu passen. Doch um Religion geht es beim Nordirlandkonflikt nur vordergründig. Seine Wurzeln liegen vielmehr in politischen Gegensätzen, bei denen Protestantismus und Katholizismus nur identitätsstiftende Bezugspunkte bilden. Diese Überlagerung von Politik und Konfession reicht freilich weit zurück: Im 16. Jahrhundert unterwarf England den kleinen Nachbarn Irland und setzte gegen die katholische Bevölkerung den Protestantismus der anglikanischen Kirche durch. Der im 19. Jahrhundert aufkeimende irische Nationalismus verband sich daher mit dem Bekenntnis zum Katholizismus. Angesichts einer zunehmend gewaltsamen britischen Repression nahmen 1919 die Nationalisten der Sinn Féin mit ihrer paramilitärischen Irish Republican Army (IRA) den bewaffneten Kampf gegen die Briten auf. 1922 erlangte der Süden der irischen Insel als „Irischer Freistaat“ die Unabhängigkeit von Großbritannien, 1949 wurde die Republik Irland („Eire“) gegründet. Der mehrheitlich protestantische Norden blieb jedoch als Nordirland („Ulster“) im Vereinigten Königreich. 

Ab 1969 kam es in Nordirland zu bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen zwischen protestantischen und katholischen Extremisten, die sich, mit Unterbrechungen, über dreißig Jahre hinziehen sollten. Mehr als 3 600 Menschen verloren dabei ihr Leben. Auf katholischer Seite kämpften die Nationalisten für den Anschluss Nordirlands an die Republik Irland, auf protestantischer Seite die Unionisten für den Verbleib bei Großbritannien. Zeitweilig griffen auch britische Truppen in die Kämpfe ein. Eine Befriedung gelang erst, nachdem sich Irland und Großbritannien zu Allparteienverhandlungen bereit erklärten. An deren Ende stand das Belfast-Abkommen vom 10.4.1998 („Karfreitagsabkommen“). Irland gab den Anspruch auf Nordirland auf, das vorläufig bei Großbritannien verbleiben sollte — über den endgültigen Status soll in unbestimmter Zukunft eine Volksabstimmung entscheiden. Die paramilitärischen Gruppen willigten in ihre Entwaffnung ein, die allerdings erst 2005 (IRA) bzw. 2009 (unionistische Gruppen) abgeschlossen war. 

Doch Nordirland blieb eine tief gespaltene Gesellschaft. Noch immer gibt es Spannungen zwischen den Konfessionen, Wohngebiete sind mit Mauern („peace walls“) getrennt, vor allem im konfessionell stark durchmischten Belfast. Verbliebene radikale Gruppen auf beiden Seiten schüchtern die Bevölkerung der jeweils anderen Konfession ein, vertreiben sie aus Stadtvierteln oder erpressen Schutzgeld. Der politische Frieden in Nordirland ist auf einem brüchigen gesellschaftlichen Fundament gebaut.

Reihe: 53
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Ausgabe: 02/2019
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