Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben

Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben

Infografik Nr. 515551

Über die Anzahl Erwachsener, denen elementarer Lese- und Schreibfähigkeiten fehlen, gab es in Deutschland lange nur grobe Schätzungen. 2011 legte ein Forschungsteam der Universität Hamburg erstmals eine Studie vor, die das Ausmaß des „funktionalen Analphabetismus“, wie er damals bezeichnet wurde, in seinen verschiedenen Abstufungen erfasste.

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Analphabetismus bezeichnet das Fehlen elementarer Lese- und Schreibfähigkeiten, wie es auf Grund mangelnder Schulbildung vor allem in Ländern der Dritten Welt anzufinden ist. Davon zu unterscheiden ist die auch in entwickelten Ländern verbreitete Erscheinung, dass Menschen nur unzureichend lesen, schreiben oder auch rechnen können, obwohl sie in der Regel eine Schule durchlaufen haben. In diesen Fällen spricht man von geringer Literalität. In der heutigen Gesellschaft mit ihrem hohen Anforderungsniveau sind die Betroffenen schon im Alltag kaum zu bewältigenden Herausforderungen, ja auch Gefährdungen ausgesetzt und stets von sozialer und ökonomischer Ausgrenzung bedroht.

Über die Zahl der Erwachsenen mit solchen Problemen gab es in Deutschland lange nur grobe Schätzungen. 2011 legte ein Forschungsteam der Universität Hamburg erstmals eine Studie vor, die das Ausmaß des „funktionalen Analphabetismus“, wie er damals bezeichnet wurde, in seinen verschiedenen Abstufungen erfasste. Die Nachfolgestudie (LEO 2018) fragte erneut nach der Verbreitung geringer Lese- und Schreibkompetenz unter deutschsprechenden Erwachsenen. Im Blickpunkt der Untersuchung steht das unterste Kompetenzniveau des Lesens und Schreibens, das sich in die Alpha-Level 1-3 untergliedern lässt. Personen auf dieser Stufe können allenfalls einzelne Sätze lesen, schreiben und verstehen, aber keine zusammenhängenden Texte. Sie sind nicht in der Lage, die in einem einfachen Text (z.B. einer Arbeitsanweisung, einer Gebrauchsanleitung oder einem Beipackzettel) enthaltenen Informationen sinnerfassend zu entnehmen. Wie die neue Studie ergab, sind davon 12,1 % der deutschsprechenden Bevölkerung zwischen 18 und 64 Jahren betroffen, insgesamt 6,2 Mio Menschen. In dieser Zahl enthalten sind rund 2 Millionen (4,0 %), die einzelne Wörter, aber keinen ganzen Satz entziffern und schreiben können und im Extremfall nicht einmal bis zur Wortebene gelangen (Alpha-Level 1-2).

Auffällig hoch ist der Anteil gering literalisierter Erwachsener unter den Befragten, die Deutsch nicht als erste Sprache gelernt, sondern sich erst später angeeignet haben: In dieser Bevölkerungsgruppe haben rund 43 % Schwierigkeiten, mehr als einzelne Sätze zu lesen und zu verstehen.

Die Probleme im Umgang mit der Sprache beschränken sich aber nicht auf die genannten 6,2 Millionen Menschen. Weitere 10,6 Mio (21 % der 18- bis 64-Jährigen) erreichen nur den Alpha-Level 4: Sie beherrschen die Rechtschreibung auch gebräuchlicher Wörter nur unzureichend und lesen und schreiben nur langsam oder fehlerhaft – mit der Folge, dass sie das Lesen und Schreiben häufig vermeiden.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 06/2019
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