Kirchen verlieren Mitglieder

Kirchen verlieren Mitglieder

Infografik Nr. 520115

Schon seit Jahrzehnten verlieren die römisch-katholische wie auch die evangelische Kirche in Deutschland kontinuierlich an Mitgliedern. Auf der Suche nach den Gründen sehen sich die Kirchen mit einem ausgeprägten Wertewandel seit den späten sechziger Jahren konfrontiert. Die Volkskirchen verlieren an Bedeutung und Bindekraft.

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Schon seit Jahrzehnten verlieren die römisch-katholische wie auch die evangelische Kirche in Deutschland kontinuierlich an Mitgliedern. Auf der Suche nach den Gründen sehen sich die Kirchen mit einem ausgeprägten Wertewandel seit den späten sechziger Jahren konfrontiert. Die Volkskirchen verlieren an Bedeutung und Bindekraft. Menschen legen sich nicht mehr so eindeutig fest oder kombinieren religiöse Weltanschauungen nach eigenem Gutdünken. Andere Faktoren kommen hinzu: Die Flucht vor der Belastung durch die Kirchensteuer‚ in der früheren DDR auch politischer Druck‚ aus der Kirche auszutreten‚ schließlich auch unterlassene Taufen mit der Folge‚ dass Kinder erst gar nicht in die Kirche aufgenommen werden. So verringerte sich die Mitgliederzahl der evangelischen Kirche von 1991 bis 2016 um rund ein Viertel auf 21‚9 Mio‚ die der katholischen Kirche ging um annähernd ein Fünftel auf 23‚6 Mio zurück. Damit haben die beiden großen Kirchen seit dem Fall der Mauer mehr als 12 Mio Mitglieder verloren.

Der Trend der gesellschaftlichen Entkirchlichung und die Zuwanderung nichtchristlicher Ausländer führten dazu‚ dass der Anteil der Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung 2016 auf 29% (katholisch) bzw. 27% (evangelisch) schrumpfte. Auf andere Religionsgemeinschaften entfielen 9% der Bevölkerung‚ 5% davon auf konfessionell gebundene Muslime. Demgegenüber stellten die Konfessionslosen schätzungsweise 35% der Bevölkerung. Während der Norden Deutschlands mehr protestantisch und der Süden mehr katholisch geprägt ist‚ sind in Ostdeutschland die konfessionell nicht Gebundenen in der Mehrheit.

Läge der Grund für die schwindenden Mitgliederzahlen der christlichen Kirchen ausschließlich an der Unzufriedenheit mit deren Lehre und Auftreten‚ müsste sich der Mitgliederschwund zum überwiegenden Teil in den Austritten abbilden. Aber die jeweils 5‚1 Mio evangelischen und 3‚6 Mio katholischen Christen‚ die seit 1991 aus der Kirche ausgetreten sind‚ bilden nur eine Komponente der Entwicklung. Die zweite und bedeutendere ist der demografische Wandel. Denn zu den Austritten addieren sich die Sterbefälle: Die evangelische Kirche verlor von 1991 bis 2016 rund 9‚2 Mio Mitglieder durch den Tod‚ und in der katholischen Kirche verstarben 7‚2 Mio Menschen. Diese Verluste konnten durch Taufen (evangelisch 5‚7 Mio‚ katholisch 5‚6 Mio) und (Wieder-)Aufnahmen (evangelisch 1‚3 Mio‚ katholisch 0‚3 Mio) nicht kompensiert werden. Die bewussten Kirchenaustritte beschleunigen also den „natürlichen“ ‚ demografisch bedingten Rückgang der Kirchenmitgliedschaft. Dieser Zusammenhang macht es für die Kirchen schwer‚ den Trend umzukehren oder auch nur zu beeinflussen.

Ausgabe: 10/2018
Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
color: Komplette Online-Ausgabe als PDF-Datei.
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