Die Rolle der Gewerkschaften
Infografik Nr. 631400
Der Anteil der Beschäftigten, die sich in Gewerkschaften organisieren, geht immer weiter zurück. Nach Daten der OECD hat sich der Organisationsgrad seit 1985 halbiert. Hauptursache dafür sind die Strukturveränderungen im Wirtschafts- und Arbeitsleben. Sehen Sie, wie sich die Gewerkschaftsbindung von Land zu Land unterscheidet und wo sich Deutschland einordnet!
Seit Mitte der 1980er Jahre ist die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder in den Industrieländern stark zurückgegangen. Nach Daten der OECD halbierte sich der Organisationsgrad der Beschäftigten zwischen 1985 und 2024 von 30% auf 15%. Nur in fünf OECD-Mitgliedstaaten sind noch mehr als 50% der Arbeitskräfte bei einer Gewerkschaft eingeschrieben. Als Hochburgen der Gewerkschaftsbewegung erweisen sich die nordeuropäischen Staaten mit einem Organisationsgrad von 62% in Schweden, 60% in Dänemark, 52% in Norwegen und sogar fast 91% in Island. Dagegen sind in den USA und in Frankreich nur etwa 10% der Beschäftigten Mitglied in einer Gewerkschaft. In den 28 OECD-Mitgliedstaaten, für die entsprechende Daten vorliegen, waren 2023/24 im Durchschnitt zwar 41% des Personals im öffentlichen Sektor, aber lediglich 10% der Beschäftigten in der Privatwirtschaft gewerkschaftlich organisiert.
Der Rückgang der Mitgliederzahlen ist auf Faktoren zurückzuführen, die von Land zu Land unterschiedlich ins Gewicht fallen. Traditionell sind die Gewerkschaften in der (Groß-)Industrie und im öffentlichen Dienst am stärksten verankert, das heißt in Bereichen, deren Anteil an der Gesamtbeschäftigung im Zuge des wirtschaftlichen Strukturwandels allmählich schrumpft. Dafür gibt es immer mehr Beschäftigte im privaten Dienstleistungssektor, in kleinen Unternehmen, in Teilzeitarbeit usw., die nicht leicht als Gewerkschaftsmitglieder zu gewinnen sind. Stark beeinflusst wurde die Entwicklung der Gewerkschaften darüber hinaus durch veränderte politische und rechtliche Rahmenbedingungen. So wurde der stärker sozialstaatlich orientierte Keynesianismus seit den 1980er Jahren vom eher gewerkschaftsfeindlichen Neoliberalismus als vorherrschende wirtschaftspolitische Strömung verdrängt. Der Umbruch in Osteuropa 1989/90 wiederum bedeutete auch das Ende der Staatsgewerkschaften mit Quasi-Pflichtmitgliedschaft, so dass der gewerkschaftliche Organisationsgrad dort drastisch abfiel – in Estland z.B. von 94% (1992) auf nur noch 4% (2023).
In einem umfassenderen Sinn hat sich durch die Öffnung und Vernetzung der Weltwirtschaft im Zuge der Globalisierung das Koordinatensystem verschoben, in dem die Gewerkschaften tätig sind: Große Unternehmen lassen sich auf der Suche nach den günstigsten Standortbedingungen kaum noch durch nationale Arbeitsgesetze und Tarifverträge fesseln. Höher als auf gewerkschaftlicher Seite ist der Organisationsgrad der Arbeitgeber. So arbeiteten 2023/24 rund 55% der Beschäftigten in den OECD-Ländern in Firmen, die einem Arbeitgeberverband angehörten.
| Ausgabe: | 04/2026 |
| Produktformat: | eps-Version, Komplette Online-Ausgabe als PDF-Datei. |
| Reihe: | 53 |
| Reihentitel: | Zahlenbilder |