Zentralasien - Geopolitik der Pipelines

Zentralasien - Geopolitik der Pipelines
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Infografik Nr. 873905

Um die immensen Öl- und Gasvorräte in den früheren Sowjetrepubliken zwischen Kaukasus und Himalaya ist ein Wettstreit entbrannt, der bereits mit dem „Great Game“ verglichen wird – jenem kolonialzeitlichen Machtkampf zwischen Russland und Großbritannien um die Vorherrschaft in Zentralasien.

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Um die immensen Öl- und Gasvorräte in den früheren Sowjetrepubliken zwischen Kaukasus und Himalaya ist ein Wettstreit entbrannt, der bereits mit dem „Great Game“ verglichen wird – jenem kolonialzeitlichen Machtkampf zwischen Russland und Großbritannien um die Vorherrschaft in Zentralasien. Lange bekannt sind die Lagerstätten vor der Küste Aserbeidschans, seit den 1990er Jahren wurden außerdem riesige Ölfelder in Kasachstan und große Gasvorkommen in Turkmenistan, in geringerem Maße auch in Usbekistan, erschlossen. Doch die Region ist vom Meer abgeschnitten und das vorhandene Pipelinenetz reicht nicht aus, um große Exportmengen zu transportieren. Der Wettlauf um die Energiereserven Zentralasiens dreht sich daher vor allem um den Bau von Pipelines und deren Linienführung, die sich jeweils nach den geopolitischen Interessen der konkurrierenden Akteure richtet: Russlands, der USA, der EU und Chinas.

Russland will vor allem die Exportrouten nach Europa kontrollieren. Pipelines sollen daher möglichst über russisches Gebiet verlaufen und Transitstaaten in Osteuropa umgehen. Die Projekte Blue Stream (2005 fertiggestellt) und Turkish Stream (geplant) dienen diesem Zweck: Durch das Schwarze Meer umgehen sie die Ukraine. Geleitet werden die Projekte vom halbstaatlichen Unternehmen Gazprom.

Die USA dagegen setzen sich für Routen ein, die das zentralasiatische Öl und Gas sowohl an Russland als auch an Iran vorbei transportieren. Mit Erfolg unterstützten sie den Bau der BTC-Ölpipeline durch den Südkaukasus (in Betrieb seit 2005), die das russische Pipeline-Monopol beendete. 2006 wurde die parallel laufende BTE fertiggestellt. Das in den 1990er Jahren von den USA vorgeschlagene Projekt einer Pipeline von Turkmenistan nach Indien lag wegen der instabilen Sicherheitslage in Afghanistan lange auf Eis. 2015 wurde aber schließlich doch mit dem Bau begonnen, Ende 2019 soll die Pipeline fertig sein. Auch die EU engagiert sich für Pipelines, die Russland umgehen und ihre Abhängigkeit vom russischen Netz verringern sollen. Dazu will die EU einen „südlichen Gaskorridor“ aufbauen. In diesem Kontext wurde 2015 mit dem Bau der Transanatolischen Pipeline begonnen. Verhandlungen mit Aserbeidschan und Turkmenistan über eine transkaspische Pipeline blieben bislang ohne konkrete Ergebnisse.

Aus dem fernen Osten drängt China auf den zentralasiatischen Energiemarkt, wo es seinen wachsenden Bedarf zu decken sucht. Wie in Afrika setzt Peking auch hier auf Investitionen in Infrastrukturen als Türöffner für wirtschaftliche Zusammenarbeit. 2006 wurde eine Öl-Pipeline von Kasachstan und 2009 eine Gas-Pipeline von Turkmenistan nach China in Betrieb genommen. Erweiterungen sind geplant.

Reihe: 53
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Ausgabe: 08/2018
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