Die globale Energiewende

Die globale Energiewende

Infografik Nr. 636338

Eine 2019 veröffentlichte Studie der Energy Watch Group (EWG) und der finnischen Universität LUT hält eine globale und vollständige Energiewende noch vor 2050 für technisch und wirtschaftlich machbar. Wie der zukünftige Energiemix aussehen könnte, zeigt das für 2050 berechnete Modell.

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In der Klimaschutzdebatte ist oft zu hören, dass die Zeit noch nicht reif sei für einen völligen Verzicht auf fossile Energieträger, die erneuerbaren Energien seien noch nicht wirtschaftlich, die Technik noch nicht ausgereift, eine Lösung für Speicherung und Transport noch nicht gefunden. Zu einem ganz anderen Ergebnis kommt eine 2019 veröffentlichte Studie der Energy Watch Group (EWG) und der finnischen Universität LUT. Sie hält eine globale und vollständige Energiewende noch vor 2050 für technisch und wirtschaftlich machbar. Theoretisch könne der Energiebedarf überall auf der Erde in spätestens dreißig Jahren zu hundert Prozent durch erneuerbare Energiequellen gedeckt werden. Langfristig sei dies sogar kostengünstiger als das gegenwärtige, auf fossilen Brennstoffen fußende System. Diese Aussagen sind das Ergebnis computergestützter Modellrechnungen auf der Basis eines umfangreichen Datenmaterials. Einbezogen wurden u.a. der prognostizierte Energiebedarf, die Verfügbarkeit von Sonnenlicht, Wind und Wasser, berechnet in stündlicher Auflösung und weltweit über den gesamten Zeitraum bis 2050, und die Möglichkeiten der bereits vorhandenen Technologie, die allerdings zügig ausgebaut werden müsste.

Wie der zukünftige Energiemix aussehen könnte, zeigt das für 2050 berechnete Modell. Darin wird die Primärenergieversorgung für sämtliche Bereiche – Strom, Wärme, Verkehr und Meerwasserentsalzung – durch regenerative Energiequellen gewährleistet. Den allergrößten Anteil stellt mit 69 % die Solarenergie, die in allen Ländern des „Sonnengürtels“ zwischen den beiden Wendekreisen die Hauptenergiequelle bildet. In den äquatorferneren Breiten dominiert dagegen Windkraft, die den zweitgrößten Anteil stellt (18 %). Der restliche Energiebedarf wird im Modell durch Biomasse und Abfall (6 %), Wasserkraft (3 %) und Geothermie (2 %) gedeckt. Das Problem von Energieflauten – wenn die Sonne nicht scheint oder der Wind nicht weht – ließe sich durch künstlich hergestellte Kraftstoffe lösen, die sich besser speichern lassen. Und dem Argument der Arbeitsplatzverluste setzt das Computermodell entgegen, dass das erneuerbare Energiesystem mehr Jobs schaffen als vernichten würde.

Dieses Modell ist keine Prognose, sondern zeigt nur, wie es sein könnte, und geht dabei von einem „best policy scenario“ aus. Dass es jedoch gelingen wird, alle relevanten Interessengruppen zu einem sofortigen radikalen Umschwung zu bewegen, ist äußerst zweifelhaft. Zudem sind Modellrechnungen von einer so großen räumlichen und zeitlichen Reichweite naturgemäß mit Unwägbarkeiten behaftet. Das Modell verdeutlicht aber eindrucksvoll das technische und wirtschaftliche Potenzial der erneuerbaren Energien.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 06/2019
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