Die "Tragödie der Gemeingüter"

Die "Tragödie der Gemeingüter"

Infografik Nr. 678150

Das ZAHLENBILD erklärt anhand der Überfischung der Weltmeere die sog. „Tragödie der Gemeingüter“. Diese besteht darin, dass die Übernutzung eines Gemeingutes durch jeden Einzelnen sich negativ auf die langfristige Nutzung durch die Gemeinschaft auswirkt. Laden Sie dieses neue ZAHLENBILD direkt herunter!

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Fast die gesamte Landfläche der Erde ist unter Staaten und deren Hoheitsrechten aufgeteilt. Darüber hinaus gibt es aber Räume und Güter, die keiner einzelstaatlichen Souveränität unterstehen und allen mehr oder weniger frei zugänglich sind. Sie werden als globale Gemeingüter bezeichnet. Darunter fallen der Weltraum, der Luftraum, die hohe See und der Cyberraum, einschließlich der in diesen Räumen befindlichen Güter wie Bodenschätze, natürliche Ressourcen oder auch Daten.

Solche Güter bergen aber ein Nutzungsproblem, das als „Tragödie der Gemeingüter“ bekannt ist. Die Bezeichnung geht zurück auf einen Essay des US-amerikanischen Biologen Garret Hardin aus dem Jahr 1968. Hardin beschrieb darin das Problem der Gemeingüter am Beispiel der „Allmende“. Die Allmende war im Mittelalter die gemeinschaftlich genutzte Dorfwiese, auf der jeder Dorfbewohner sein Vieh weiden lassen konnte. Das führte häufig zu einer Übernutzung. Für jeden einzelnen Hirten war es rational, so viele Rinder wie möglich auf der Allmende grasen zu lassen, denn das steigerte seinen Ertrag. Irgendwann aber war der Boden so ausgelaugt, dass überhaupt kein Rind mehr dort grasen konnte. Individuell rationales Verhalten führte also zu kollektivem Schaden, der sich letztlich auch wieder individuell auswirkte.

Dieses Prinzip lässt sich auf andere Bereiche übertragen – zum Beispiel, wie im ZAHLENBILD, auf die aktuell stattfindende Überfischung der Weltmeere. Dabei kommt noch die Komponente der Rivalität ins Spiel. Wenn alle um die Fischbestände rivalisieren, ist es für die einzelnen Fischer (oder Fischereinationen) sinnvoll, so viele Fische wie möglich zu fangen, bevor andere sie ihnen wegschnappen. Das führt zu einem Schneeballeffekt. Die Bestände werden knapper, der Konkurrenzkampf härter, und die Fischressourcen werden immer schneller aufgebraucht – so lange, bis sie sich nicht mehr regenerieren können und völlig verschwinden. Ein anderes Beispiel sind die Treibhausgasemissionen: Sie mögen von einzelnen Ländern als Nebeneffekt des Wirtschaftswachstums hingenommen werden, die Folgen einer beschleunigten globalen Erwärmung treffen aber die gesamte Weltgemeinschaft. Auch das Klima ist ein globales Gemeingut.

Das Dilemma lässt sich letztlich nur durch Regulierung lösen. Der bloße Appell an die Vernunft der beteiligten Akteure reicht nicht aus, denn der Teufelskreis der Übernutzung liegt ja gerade in der rationalen egoistischen Logik begründet. Bereits Hardin schrieb, dass völlige Freiheit bei der Nutzung von Gemeingütern am Ende alle ruiniere. Auf der globalen Ebene, wo keine überstaatliche Instanz existiert, die Regelverstöße wirksam sanktionieren kann, stellt Regulierung allerdings eine besondere Herausforderung dar.

Ausgabe: 01/2022
Reihe: 53
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