Moderne Sklaverei

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Moderne Sklaverei

Sklaverei – also die Ausbeutung, Entrechtung und „Inbesitznahme“ von Menschen durch Menschen – ist seit vier Jahrtausenden als Gesell ...

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Moderne Sklaverei

Sklaverei – also die Ausbeutung, Entrechtung und „Inbesitznahme“ von Menschen durch Menschen – ist seit vier Jahrtausenden als Gesellschaftsform nachweisbar und so alt wie die frühesten Staatsbildungen. Bereits im altbabylonischen Codex Hammurabi (18. Jh. v. Chr.) finden sich Gesetze zum Sklavenrecht, und in den Stadtstaaten des antiken Griechenlands wurde Sklaverei ebenso selbstverständlich praktiziert wie im Römischen Reich. Noch im 19. Jahrhundert basierte der „Dreieckshandel“ zwischen Afrika, dem karibischen Raum und England auf der Sklavenwirtschaft. Mit der Aufklärung und der Naturrechtslehre änderte sich die Stimmung in Europa und Nordamerika. Das Verbot der Sklaverei in England (1807) entzog der transatlantischen Sklavenwirtschaft eine wichtige Grundlage, und mit der Abschaffung der Sklaverei in den USA (1865) war sie in der westlichen Welt praktisch beendet. Mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (1948) wurde das Sklavereiverbot weltweit zur Rechtsnorm.

Doch auch heute noch werden Formen einer modernen Sklaverei praktiziert, bei denen Menschen zwar nicht mehr im rechtlichen Sinne zu „Eigentum“ gemacht werden, faktisch aber unter der Verfügungsgewalt anderer stehen: In • Zwangsarbeit werden sie zu unfreiwilligen Arbeiten und Dienstleistungen genötigt, ohne eine Möglichkeit, ihrer Lage zu entkommen. Die Zwangsmittel reichen von der simplen Ausübung oder Androhung von Gewalt bis zu subtileren Methoden wie Schuldknechtschaft, dem Einbehalten von Pässen oder ganz allgemein dem Ausnutzen von Hilflosigkeit und Not (wie Armut, Behinderung, Abhängigkeit als Kind usw.). In engem Zusammenhang mit Zwangsarbeit steht • Menschenhandel, von den UN im sog. Palermo-Protokoll (2000) definiert als „Anwerbung, Beförderung, Verbringung, Beherbergung oder Aufnahme von Personen“ durch Mittel wie Gewalt, Drohung oder Täuschung zum Zweck der Ausbeutung.

Nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), einer Sonderorganisation der UN, sind weltweit annähernd 21 Millionen Menschen Opfer von Zwangsarbeit. Der Großteil davon (68 %) wird von Privatunternehmern zu Arbeiten in der Landwirtschaft, auf Baustellen, im Handwerk usw. gezwungen, etwa ein Viertel (22 %) wird sexuell ausgebeutet und weitere 10 % müssen Zwangsarbeiten für staatliche Akteure oder bewaffnete Gruppen leisten. Etwa ein Viertel der Ausgebeuteten sind unter 18 Jahre. Die meisten Zwangsarbeiter finden sich im süd- und ostasiatischen Raum. Diese Zahlen sind allerdings mit großen Unsicherheiten behaftet, da naturgemäß von einem weiten Dunkelfeld auszugehen ist. Hinzu kommt, dass derzeit keine international anerkannte Definition von „moderner Sklaverei“ existiert.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 12/2016
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