Geld für zuhause - Überweisungen in die Dritte Welt

Geld für zuhause - Überweisungen in die Dritte Welt

Infografik Nr. 625315

Für viele Länder der Dritten Welt stellt der Export von Arbeitskräften in die reichen Industrie- und Ölstaaten eine unverzichtbare Einkommens- und Devisenquelle dar. So arbeiten mexikanisch ...

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Für viele Länder der Dritten Welt stellt der Export von Arbeitskräften in die reichen Industrie- und Ölstaaten eine unverzichtbare Einkommens- und Devisenquelle dar. So arbeiten mexikanische Landarbeiter in den USA, Bauarbeiter aus Indien, Pakistan oder Bangladesch in den Golfstaaten und philippinische Krankenschwestern in Europa. Bleiben die Familien dieser Arbeitsmigranten in der Heimat zurück, werden sie mit dem im Ausland verdienten Geld oft regelmäßig unterstützt. Und nicht selten kehren Auswanderer nach Jahren der Arbeit im Ausland mit den gesammelten Ersparnissen in ihr Herkunftsland zurück, um dort ein Haus zu bauen, in gesichertem Wohlstand zu leben oder sich eine neue wirtschaftliche Existenzgrundlage zu schaffen.

Die meist kleinen Beträge, die von Gastarbeitern, Verwandten oder sonstigen Privatpersonen aus dem Ausland geschickt werden, summieren sich Jahr für Jahr zu einem gewaltigen Geldstrom. Nach Daten der Weltbank stiegen die persönlichen Überweisungen in die Entwicklungsländer (low und middle income countries) zwischen 1995 und 2015 von 51 auf 425 Milliarden US-$. 2016 beliefen sie sich auf 405 Milliarden US-$. Hauptempfänger der Geldtransfers im Jahr 2016 waren Indien (63 Mrd $), China (35 Mrd $), die Philippinen (31 Mrd $), Mexiko (29 Mrd $), Pakistan (20 Mrd $) und Nigeria (20 Mrd $). Viele kleinere Entwicklungsländer reichen an diese Beträge nicht heran, doch haben die Geldsendungen aus dem Ausland für sie oft eine weit größere Bedeutung. So machten die persönlichen Überweisungen 2015 in sieben Ländern mehr als 20 % des Bruttoinlandsprodukts aus. Die Spitzenwerte wurden für Nepal (mit 33 % des BIP), Liberia (31 %) und Tonga (30 %) errechnet. Im Vergleich mit den offiziellen Entwicklungshilfeleistungen der reichen Länder (2016: 132 Mrd $) lagen die gesamten persönlichen Transfers in die Entwicklungsländer dreimal so hoch.

Dass die Geldtransfers der Angehörigen im Ausland das Leben der Daheimgebliebenen erleichtern, ist unbestritten. Die Frage nach den Auswirkungen dieser Überweisungen auf die Volkswirtschaften der Heimatländer lässt sich dagegen nicht so eindeutig beantworten. So kann das aus dem Ausland zufließende Geld die Nachfrage nach heimischen Konsumgütern anregen und über höhere Steuereinnahmen den Handlungsspielraum der Regierung erweitern. Es kann aber auch dazu beitragen, dass notwendige Reformen aufgeschoben werden und der mögliche Wohlfahrtsgewinn für das ganze Land durch Korruption und Misswirtschaft verspielt wird.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 01/2018
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