Kapitalflucht aus Entwicklungsländern

Kapitalflucht aus Entwicklungsländern
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Infografik Nr. 632107

Die Entwicklungsländer sind dringend auf Finanzmittel angewiesen, um in ihr Bildungs- und Gesundheitswesen, in ihre Wasser- und Energieversorgung, ihr Verkehrswesen oder ihre produktive Wirtschaft ...

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Die Entwicklungsländer sind dringend auf Finanzmittel angewiesen, um in ihr Bildungs- und Gesundheitswesen, in ihre Wasser- und Energieversorgung, ihr Verkehrswesen oder ihre produktive Wirtschaft investieren zu können. Deshalb ist der Schaden groß, wenn Gelder illegal außer Landes geschafft oder der Volkswirtschaft auf andere Weise entzogen werden. Doch genau dies ist der Fall, wie eine Studie der Nichtregierungsorganisation Global Financial Integrity (GFI) zeigt. In vielen Entwicklungsländern herrscht verbreitet Korruption und ihre staatliche Verwaltung steht auf schwachen Beinen, so dass es ihnen kaum gelingt, den finanziellen Aderlass zu unterbinden. Das Ausmaß der Kapitalflucht zu beziffern ist schwierig, denn sie geschieht oft im Verborgenen. Verschiedene Institutionen haben dafür jeweils eigene methodische Ansätze entwickelt und dementsprechend variieren auch die erhobenen Daten. Alle Zahlen aber zeigen ein erschreckendes Ausmaß des Kapitalabflusses. So hat auch nach den Schätzungen von GFI die Kapitalflucht seit den 1990er Jahren dramatisch zugenommen: Flossen in den 1980er Jahren noch insgesamt rund 120 Milliarden US-$ aus den Entwicklungsländern ab, so waren es zwischen 2000 und 2012 schon fast 9,5 Billionen US-$, also nahezu das Achtzigfache. Das entsprach im Durchschnitt mehr als 6 % der jährlichen Wirtschaftsleistung .

Ganz überwiegend wurde dieses Kapital illegal entzogen. Mehr als die Hälfte der Abflüsse erfolgte über die Fälschung von Ein- und Ausfuhr-Rechnungen: So werden für Lieferungen an Tochterunternehmen in einem Entwicklungsland stark überhöhte Preise in Rechnung gestellt und umgekehrt Exportwaren weit unter dem Weltmarktpreis von dort bezogen. Und auf illegale Aktivitäten lassen sich auch die allermeisten unerklärten Lücken in den Zahlungsbilanzen der Entwicklungsländer zurückzuführen. Ein verbesserter zwischenstaatlicher Informationsaustausch und eine strengere Zoll- und Finanzkontrolle könnten dazu beitragen, dass Schlupflöcher für Fluchtgelder aus der Dritten Welt geschlossen werden.

Eine wichtige Rolle beim illegalen Abfluss von Kapital spielen Steueroasen. Nicht nur erleichtern sie es Unternehmen und Privatpersonen, ihr Kapital außer Landes zu schaffen und so den Entwicklungsländern dringend benötigte Steuergelder zu entziehen, sondern auch, diese Aktivitäten zu verschleiern oder ganz zu verbergen. Eine wirksame Abschreckung durch Strafen wird dadurch untergraben. Dagegen helfen auch Abkommen über Steuertransparenz wenig, denn die Steueroasen haben weder Anreize, die Daten ihrer Kunden preiszugeben, noch müssen sie Sanktionen fürchten, falls sie dies nicht tun.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 01/2017
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