Todesstrafe

Todesstrafe

Infografik Nr. 603270

Wie amnesty international berichtet, halten an der Todesstrafe weltweit noch 56 Staaten und Territorien fest. Soweit bekannt, wurden im Jahr 2019 in 20 Ländern Hinrichtungen durchgeführt und in 56 Ländern Todesurteile ausgesprochen.

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Bis ins 18. Jahrhundert galt die Todesstrafe als angemessene und wirkungsvolle Form der Bestrafung schwerer Verbrechen. Die „Peinliche Gerichtsordnung“ Kaiser Karls V. von 1532 sah sogar besonders grausame Hinrichtungsarten vor. Mit dem Menschenrechtsideal der Aufklärung war die bewusste Tötung eines Menschen – auch wenn er sich schwerster Rechtsverletzungen schuldig gemacht hatte– jedoch nicht mehr vereinbar. Als einer der Ersten trat der italienische Jurist Cesare Beccaria (1738-1794) für die Abschaffung der Todesstrafe ein.

Wie amnesty international berichtet, halten an der Todesstrafe weltweit noch 56 Staaten und Territorien fest. Soweit bekannt, wurden im Jahr 2019 in 20 Ländern Hinrichtungen durchgeführt und in 56 Ländern Todesurteile ausgesprochen. Von insgesamt mindestens 657 Hinrichtungen fanden 251 (oder mehr) in Iran, 184 in Saudi-Arabien, mehr als 100 im Irak und mindestens 32 in Ägypten statt. Es fehlen jedoch Angaben für China. Amnesty international geht davon aus, dass dort allein tausende von Hinrichtungen vollstreckt wurden. In 28 weiteren Staaten ist die Todesstrafe zwar nach dem Gesetz noch in Kraft, wird aber faktisch nicht mehr angewandt; 8 Staaten sehen in Friedenszeiten von der Todesstrafe ab. In 106 Ländern ist sie dagegen vollständig abgeschafft. In den USA (2019 mit 22 Hinrichtungen) verzichten mittlerweile 21 Bundesstaaten und Washington D.C. auf die Todesstrafe.

Für die Gegner der Todesstrafe ist jede Hinrichtung ein nicht wieder gutzumachender Verstoß gegen die Menschenrechte. Sie verletzt den Grundsatz, dass jeder Mensch ein Recht auf Leben hat und niemand „grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe“ unterworfen werden darf, wie es in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 heißt. Die Gründe, die demgegenüber für die Beibehaltung der Todesstrafe angeführt werden, halten keiner nüchternen Überprüfung stand. So lässt sich bislang nicht nachweisen, dass die Todesstrafe wirksamer vor Verbrechen abschreckt als z.B. eine langjährige Freiheitsstrafe. Die Hemmschwelle für Gewaltverbrechen scheint im Gegenteil dort niedriger zu sein, wo der Staat im Namen des Rechts selbst töten lässt. Wenig überzeugend ist auch das Argument, nur die Todesstrafe könne zuverlässig verhindern, dass Rechtsbrecher rückfällig würden. So bleibt am Ende nur der in den menschlichen Trieben verwurzelte Rechtfertigungsgrund, jedes Verbrechen müsse seine „gerechte“ Strafe finden und besonders schwere Straftaten könnten nur durch den Tod „gesühnt“ werden. Ein solches Rache- und Sühneverlangen ist dem modernen Rechtsdenken jedoch fremd.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 06/2020
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