Todesstrafe

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Infografik Nr. 603270

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Todesstrafe

Bis ins 18. Jahrhundert galt die Todesstrafe als angemessene und wirkungsvolle Form der Bestrafung schwerer Verbrechen. Die „Peinliche Gerichtsordnung“ Kaiser Karls V. von 1532 sah sogar besonders grausame Hinrichtungsarten vor. Mit dem Menschenrechtsideal der Aufklärung war die bewusste Tötung eines Menschen – auch wenn er sich schwerster Rechtsverletzungen schuldig gemacht hatte – jedoch nicht mehr vereinbar. Als einer der Ersten trat der italienische Jurist Cesare Beccaria (1738-1794) für die Abschaffung der Todesstrafe ein.

Heute haben sich etwa zwei Drittel aller Staaten von der Todesstrafe abgewandt. Wie amnesty international berichtet, halten weltweit aber noch 58 Staaten und Territorien an der Todesstrafe fest. Soweit bekannt, wurden 2014 in 22 Ländern Hinrichtungen durchgeführt und in 55 Ländern Todesurteile ausgesprochen. Von insgesamt mindestens 607 Hinrichtungen fanden 289 (oder mehr) in Iran, 90 in Saudi-Arabien und 61 im Irak statt. Es fehlen jedoch Angaben für China. Amnesty geht davon aus, dass dort allein tausende von Hinrichtungen vollstreckt wurden. In 35 weiteren Staaten ist die Todesstrafe zwar nach Gesetz noch in Kraft, wird aber faktisch nicht mehr angewandt; 7 Staaten sehen in Friedenszeiten von der Todesstrafe ab. In 98 Ländern ist sie dagegen vollständig abgeschafft. In den USA (2014 mit 35 Hinrichtungen) verzichten mittlerweile 18 Bundesstaaten (und Washington D.C.) auf die Todesstrafe.

Für die Gegner der Todesstrafe ist jede Hinrichtung ein nicht wieder gutzumachender Verstoß gegen die Menschenrechte. Sie verletzt den Grundsatz, dass jeder Mensch ein Recht auf Leben hat und niemand „grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe“ unterworfen werden darf, wie es in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 heißt. Die Gründe, die demgegenüber für die Beibehaltung der Todesstrafe angeführt werden, halten keiner nüchternen Überprüfung stand. So lässt sich bislang nicht nachweisen, dass die Todesstrafe wirksamer vor Verbrechen abschreckt als z.B. eine langjährige Freiheitsstrafe. Die Hemmschwelle für Gewaltverbrechen scheint im Gegenteil dort niedriger zu sein, wo der Staat im Namen des Rechts selbst töten lässt. Wenig überzeugend ist auch das Argument, nur die Todesstrafe könne zuverlässig verhindern, dass Rechtsbrecher rückfällig würden. So bleibt am Ende nur der in den menschlichen Trieben verwurzelte Rechtfertigungsgrund, jedes Verbrechen müsse seine „gerechte“ Strafe finden und besonders schwere Straftaten könnten nur durch den Tod „gesühnt“ werden. Ein solches Rache- und Sühneverlangen ist dem modernen Rechtsdenken jedoch fremd.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
color: Komplette Online-Ausgabe als PDF-Datei.
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Ausgabe: 05/2015
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