Gefangene - ein internationaler Vergleich

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Infografik Nr. 603275

Gefangene – ein internationaler Vergleich

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Gefangene – ein internationaler Vergleich

Der Umgang mit kriminellem Verhalten ist für jede Gesellschaft eine Herausforderung. Wo die Idee der Vergeltung („Auge um Auge, Zahn um Zahn“) im Vordergrund steht, haben Gesetzesbrecher mit harten, mitunter drakonischen Strafen zu rechnen. Im Gegensatz dazu ist das moderne Rechtsdenken eher an der Verhütung künftiger Verbrechen interessiert und wägt ab, welche Maßnahmen diesem Zweck am besten entsprechen. Es sieht auch den Kriminellen als Teil der Gesellschaft und versucht in erster Linie erziehend auf ihn einzuwirken. Eine Freiheitsstrafe kommt von diesem Standpunkt aus nur als äußerstes Mittel der allgemeinen Abschreckung und der Kontrolle des einzelnen Täters in Betracht.

In welchem Umfang Freiheitsstrafen ausgesprochen werden, hängt aber nicht allein von solchen rechtspolitischen Akzentsetzungen ab. So werden in Ländern mit defizitärer Rechtsstaatlichkeit auch oppositionelle Bestrebungen oder soziale Randgruppen schnell in die Nähe der Kriminalität gerückt und in ihrer Freiheit eingeschränkt. Manche Staaten versuchen die Mängel ihres Polizei- und Justizapparats durch eine übermäßig harte Strafpraxis zu überdecken. In anderen wiederum ist die Strafverfolgung durch ein zu schwaches Rechtssystem eingeschränkt. Solche Unterschiede sind zu bedenken, wenn Informationen über Gefängnisse und Gefangene international vergleichend nebeneinandergestellt werden.

Daten für einen derartigen Vergleich enthält die vom International Centre for Prison Studies in London herausgegebene „World Prison Population List“. Sie erfasst die Anzahl der Strafgefangenen und Untersuchungshäftlinge in über 200 Staaten und Territorien, zuletzt für die Jahre 2011-13, teilweise auch für weiter zurückliegende Jahre. Ihr zufolge sind weltweit mehr als 10 Millionen Menschen in Haftanstalten eingesperrt. Hinzu kommen die Häftlinge in den Gefangenenlagern Nordkoreas (etwa 150000) sowie die Insassen der „Umerziehungslager“ in China (mindestens 650000), deren Abschaffung die chinesische Regierung allerdings Ende 2013 beschlossen hat. Die größte Gefängnispopulation (2,2 Mio Häftlinge) findet sich in den USA. Dort sitzen 716 von jeweils 100000 Einwohnern hinter Gittern. Ähnlich hohe Quoten weisen auch einige Karibikstaaten aus. In Russland hat die Gefangenenquote in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen (von über 600 auf zuletzt 475), bleibt aber dennoch vergleichsweise hoch. In Westeuropa hat England (mit einer Quote von 148) das härteste Strafregime. Deutschland bewegt sich (mit 79) im unteren Mittelfeld. Weit niedrigere Quoten werden vor allem aus Entwicklungsländern gemeldet, in denen nur eine lückenhafte Strafverfolgung stattfindet.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
color: Komplette Online-Ausgabe als PDF-Datei.
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Ausgabe: 02/2014
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